Versicherungs-News (Archiv)

Keine Rente bei Einkommen unter 9,47 Euro pro Stunde 


Nach einer Modellrechnung, die in der aktuellen Ausgabe von Böcklerimpuls vorgestellt wird, müssten Versicherte im gesetzlichen Rentensystem 45 Jahre lang mindestens 9,47 Euro brutto pro Stunde erlösen, damit ihre Rente über dem Durchschnittsniveau der heutigen Grundsicherung liegt. Da die Rente auf diese Sozialleistung angerechnet wird, habe, wer dauerhaft weniger verdient, schlechte Chancen, im Alter mehr als jene durchschnittlich 676 Euro zur Verfügung zu haben, die Bezieher der Grundsicherung erhalten. - Der Wert, der in der Analyse auf Grundlage von Niedriglöhnen errechnet wurde, gilt analog für Einkommen jener Selbstständigen, die über das gesetzliche System versichert sind.


Die Berechnung des Wertes, ab dem die Versicherungsbeiträge zu einem höheren Realeinkommen im Alter führen, wurde für das WSI, dem Forschungsinstitut der Hans-Böckler-Stiftung, im Rahmen einer Studie zur Altersarmut erstellt, in der Johannes Steffen, Sozialexperte der Arbeitnehmerkammer Bremen und der WSI-Experte Thorsten Schulten zu dem Schluss kommen: "Selbst bei einem bruchlosen Erwerbsleben werden Geringverdiener im Ruhestand auf staatliche Unterstützung angewiesen sein." Um das Sicherungsniveau auch im Bereich der Niedrigverdienste anheben zu können, schlägt Schulten vor, die Beitragsbemessungsgrenze - also der Maximalbetrag des Einkommens auf den Rentenversicherungsbeiträge fällig sind - zu erhöhen oder zu streichen und alle Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherungspflicht einzubeziehen, die zurzeit nur für bestimmte Berufe gilt. Ohne weiter gehende grundlegende Veränderungen, so Schulten, sei das Problem jedoch nicht zu lösen. Daher fordert er das Einkommenssystem insgesamt in den Blick zu nehmen und ein "umfassendes Reformprogramm zur Ent-Prekarisierung" zu starten.

Das Problem, dass niedrige Einkünfte und daraus folgende niedrige Vorsorgezahlungen in die Altersarmut führen, ist nicht neu. Die Thematisierung anhand konkreter Zahlen jedoch führt regelmäßig zu eher aufgeregten Debatten. So hatte ein Beitrag des ARD-Magazin Monitor vom Januar 2008 für einigen Wirbel gesorgt. In diesem Beitrag zur Riester-Rente wurde dargestellt, dass deren Auszahlung ebenfalls auf die Grundsicherung angerechnet wird. Dieser Monitor-Beitrag führte letztlich auch zu der bestätigenden Auskunft der Bundesregierung, dass ein Arbeitsleben mit einem Einkommen von rund 60 Euro täglich nicht reicht, um im Alter das Grundsicherungsniveau zu erreichen (siehe mediafon-Meldung vom 4.6.08). Die Regierung betonte jedoch, wie auch Kritiker des Monitor-Beitrags, dass es problematisch ist, entsprechende Rechnungen zur Grundlage einer eigenen Altersvorsorge-Strategie zu machen. Es sei gesellschaftlich unvernünftig und unsolidarisch sowie individuell unsicherer, auf Steuerunterstützung bei Hilfsbedürftigkeit im Alter zu setzen. Insbesondere Jüngere könnten weder wissen, wie sich ihr Einkommen bis zur Rente entwickelt, noch, wie hoch das Niveau der Sozialleistungen in Zukunft sein wird.

(18.05.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
Böcklerimpuls-Bericht

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Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=4a118ae5b8184&akt=news_versicherungen_archiv&view=print&si=58d06673ceca9&lang=1
Druckdatum: 23.11.2017, 23:21:32