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Allgemeine News (Archiv)

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Hoher Anteil von Notgründungen in Deutschland 


Der jüngste Kurzbericht des "Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" (IAB), der Forschungseinrichtung der Arbeitsagentur, beschäftigt sich mit Unternehmensgründungen im internationalen Vergleich. In ihrer Auswertung des "Global Entrepreneurship Monitor" (GEM) kommen die Forscher zum Ergebnis, dass im Vergleich von 43 Staaten der Anteil der Notgründungen in Deutschland besonders hoch ist.


Demnach hat Deutschland einen im internationalen Vergleich hohen Anteil 'getriebener Gründer'. Konkret kommen laut Untersuchung "auf einen Gründer 'aus Not' nur 2,7 'klassische' Gründer. Im Mittel liegt das Verhältnis bei 7,1 zu 1, nur in Südkorea und Griechenland ist der Anteil der Gründer 'aus Not' noch höher." Da die Umfrage bereits im Frühjahr 2008 statt fand, sieht das IAB außerdem voraus, dass die Zahl der Notgründungen im Zuge der Wirtschaftskrise noch steigen wird. Die "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" steigende Arbeitslosigkeit führe dazu, dass ein Teil der Betroffenen "die unternehmerische Selbstständigkeit notgedrungen ernsthaft in Erwägung ziehen" wird.

Ein weiteres Ergebnis des Kurzberichts lautet: Deutschland hat "eines der niedrigsten Gründungsniveaus aller 43 am GEM 2008 beteiligten Staaten". Zwar sei, so das IAB, ein niedrigeres Gründungsniveau in entwickelten Volkswirtschaften typischer als in weniger entwickelten, aber Deutschland nehme auch innerhalb der "geeigneten Vergleichsgruppe" von 18 hochentwickelten 'innovationsbasierten Ökonomien' den vorletzten Platz ein. Die Ursache sehen die Forscher insbesondere in einer Risikoscheu, die in vergleichbaren Ökonomien wesentlich geringer sei. Als Fallbeispiel hat das IAB das deutsche mit dem niederländischen Gründungsgeschehen verglichen und konstatiert eine "hervorstechende" Risikobereitschaft im Nachbarstaat.

Die GEM-Befragung, an der in Deutschland rund 4.700 von insgesamt 127.000 Personen teilnahmen, wird vom IAB als Quelle für die eigene Forschung genommen, weil in Deutschland andere "aussagekräftige statistische Quellen zur Anzahl und Art von Unternehmensgründungen" nicht vorliegen.



Eine Studie mit Schwächen: Auch wenn die Interview-Ergebnisse eine mangelnde Risikobereitschaft nahelegen, ist es problematisch, deren mögliche Hintergründe nicht näher zu beleuchten. So stehen im Ergebnis auch für das IAB wieder einmal die Schlagworte "Risikobereitschaft" und "Gründungskultur" im Mittelpunkt der Betrachtung. Konsequent werden dann auch Uni-Kurse zur Existenzgründung und ein besserer Zugang zu Krediten gelobt und empfohlen. - Dass die Ursachen mangelnder Gründungsneigung tiefer liegen könnten, wird im Bericht nicht deutlich.

Die Stichworte, die hier mindestens nachzureichen wären, sind die Soziale Sicherung und die Einkommenssituation. Denn: Die soziale Sicherung hat einen großen Einfluss auf die Risiko- und Gründungsbereitschaft. Sie ist in den Niederlanden mit seiner allgemeinen Grundsicherung geradezu konträr zum deutschen System geregelt. Und zusätzlich fehlt in Deutschland nicht nur eine generelle und für Statuswechsel durchlässige Rentenversicherung, sondern den meisten Selbstständigen auch ein den niederländischen Kolleginnen und Kollegen vergleichbar hohes Honorar.

Im GEM-Langbericht Deutschland, der auch den Ländervergleich enthält, ist der niederländische Einbezug Selbstständiger ins Rentensystem zumindest kurz erwähnt: eingebettet in ein Sammelsurium von Empfehlungen Steuern zu senken, Bürokratie abzubauen, Wettbewerb zu stärken und die soziale Sicherung zu privatisieren. Es bleibt beim Tenor der vorherigen GEM-Berichte die unter besseren Bedingungen für Selbstständige eine "allgemeine Vereinfachung des Steuer- und Arbeitsrechts" verstehen (GEM-Bericht 2006) und den Bedürfnissen der überwältigenden Mehrheit unter den Gründern, den Solo-Selbstständigen, kaum Beachtung schenken.

(22.06.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
IAB-Kurzbericht
Kompletter GEM-Länderbericht Deutschland
GEM-Homepage

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