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Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Rechts-News (Archiv)

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Urheberrecht
Wie die Jungfrau zum Buche 


Elke Heidenreich ist wider Willen zur Autorin eines neuen Buches geworden: Sie hatte bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Total-Buy-out-Vertrag unterschrieben, und die FAZ hatte auf dieser Grundlage die Nutzungsrechte an einem Heidenreich-Artikeln und einem Interview mit ihr an die ”Deutsche Literaturgesellschaft” vergeben. Die brachte sie nun unter dem Titel ”Bücher könnte ich lassen, Oper nie”! als Buch heraus. Ohne dass die Autorin davon wusste.


Die ”Deutsche Literaturgesellschaft” ist ein Zuschussverlag, bei dem Autoren für die Veröffentlichung ihrer Bücher bezahlen müssen. Und die Bedenken potentieller Kunden gegen solche Verlagsmodelle lassen sich natürlich am besten zerstreuen, wenn der Verlag auf möglichst prominente Autoren verweisen kann, die bei ihm schon veröffentlicht haben.

Die ”Deutsche Literaturgesellschaft” führt auf ihrer verlagsinternen ”Bestsellerliste” im Internet zur Zeit auf Rang 1 das Buch ”Bücher könnte ich lassen, Oper nie!” von Elke Heidenreich. Wenn das keine gute Werbung ist! Das Buch sieht schön aus, seinen Titel ziert ganzflächig ein Foto der Autorin – und es hat (neben seinem dürftigen Umfang von 86 Seiten für 9,90 €) nur einen Nachteil: Elke Heidenreich wurde von diesem Buch ebenso überrascht wie der gesamte Buchhandel.

Veröffentlicht hat der Verlag das Buch nämlich auf Grundlage eines Vertrages mit der FAZ, die in letzter Zeit so gern gegen die ”Enteignung” der Zeitungsverlage durch Internetpiraten wie Google und andere wettert. In der FAZ waren der Heidenreich-Artikel und das Interview ursprünglich erschienen, und dort hatte die Autorin einen Vertrag unterzeichnet, in dem es heißt: ”Sie räumen uns an jedem ihrer bereits veröffentlichten oder zukünftig zu veröffentlichenden Beiträge neben dem Recht auf Erstveröffentlichung das ausschließliche zeitlich, räumlich und inhaltlich unbeschränkte Recht ein, . . . Dritten entgeltlich oder unentgeltlich einfache Nutzungsrechte daran einzuräumen.” Der übliche Total-Buy-out-Vertrag also, wie ihn fast alle Zeitungshäuser inzwischen ihren Autoren aufzwingen.

Und dann produzierte die ”Literaturgesellschaft” ein Buch, ohne die Autorin davon auch nur zu informieren. Die zeigte sich empört und will gegen die Veröffentlichung rechtliche Schritte einleiten. Wir wünschen ihr viel Erfolg.

Nachtrag 13.7.:
Einige Wochen nach Erscheinen des Buches – und reichlich öffentlicher Aufregung – zeigte sich die Deutsche Literaturgesellschaft überrascht, dass die FAZ die Rechte an den Heidenreich-Texten "ohne Rücksprache mit Elke Heidenreich und gegen ihren Willen die Rechte an uns vermittelt" habe. Davon hätte man nicht ausgehen könne, sagte der DLG-Geschäftsführer, und nahm das Buch "freiwillig" vom Markt: "Es ist nicht in unserem Interesse, gegen den Willen unserer Autoren zu publizieren." Bleibt nur die Frage, warum er dann vor Veröffentlichung des Buche nicht wenigstens einmal Kontakt mit der Autorin aufgenommen hat.


(28.06.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
Telepolis-Artikel zum Fall ”Literaturgesellschaft”
Der mediafon-Ratgeber zu Total-Buy-out-Verträgen

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