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Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Versicherungs-News (Archiv)

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Gesetzliche Krankenkassen
Neue "Wahltarife Krankengeld" 

Besondere Eile scheinen die gesetzlichen Krankenkassen mit den neuen ”Wahltarifen Krankengeld” nicht zu haben, für die der Gesetzgeber schärfere Vorgaben gemacht hat. Immerhin liegen von den ersten Kassen jetzt Tarife vor, mit denen Selbstständige ihren Krankengeldanspruch in der gesetzlichen Krankenversicherung aufbessern können. mediafon stellt Tarife mit erheblichen Unterschieden vor.


Seit dem 1. August gilt eine neue Gesetzeslage: Freiwillig versicherte Selbstständige und unständig Beschäftigte (wie die meisten "Freien" beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk) bekommen Krankengeld von ihrer gesetzlichen Krankenkasse nur noch, wenn sie gegenüber Krankenkasse eine "Wahlerklärung" abgeben, das sie künftig den Normalbeitrag von derzeit 14,9 Prozent (Arbeitnehmeranteil: 7,9 Prozent) bezahlen. Das sind 0,6 (Arbeitnehmeranteil: 0,3) Prozentpunkte mehr als der ermäßigte Beitrag, bei dem es gar kein Krankengeld gibt. Das Krankengeld wird für beide Gruppen erst vom 43. Krankheitstag an (also nach sechs Wochen Krankheit) bezahlt und beträgt 70 Prozent des (Brutto-)Einkommens, für das vor der Krankheit Beiträge gezahlt wurden: Wer vor der Krankheit ein Monatseinkommen von 3.000 € hatte (und dafür auch Beiträge gezahlt hat!), bekommt ein Krankengeld von 70 € pro Kalendertag – also auch an Sonn- und Feiertagen.

Dasselbe gilt für Leute, die über die Künstlersozialkasse krankenversichert sind. Allerdings besteht für sie nicht die Möglichkeit, den ermäßigten Beitrag zu zahlen und damit auf das Krankengeld zu verzichten.

Wer Krankengeld schon vor dem 43. Krankheitstag (oder ein höheres Krankengeld, das freilich nicht das vorherige Einkommen übersteigen darf) haben will, kann dafür bei seiner Krankenkasse zusätzlich einen "Wahltarif Krankengeld" abschließen. Solche Tarife müssen alle gesetzlichen Kassen anbieten; die Tarife dürfen nach der jüngsten Gesetzesänderung nicht mehr nach Alter, Geschlecht und Risiko differenziert sein.

Wer einen Wahltarif abschließt, bindet sich damit für mindestens drei Jahre an seine Krankenkasse. Vorher ist ein Kassenwechsel dann selbst in dem Fall nicht möglich, dass die alte Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt. (Auch an die Wahlerklärung ist man drei Jahre gebunden – hier ist allerdings ein Kassenwechsel vor Ablauf der drei Jahre möglich.)

Weitere Details über die neue Rechtslage stehen in der mediafon-Meldung vom 6. Juni 2009. Im folgenden Artikel haben wir einige der bisher vorgelegten Wahltarife unter die Lupe genommen und uns dabei vor allem auf die "Ausreißer" konzentriert – die günstigsten und die teuersten. Damit sollte jedem ein Vergleich mit der eigenen Krankenkasse möglich sein, sobald diese denn Krankengeld-Wahltarife vorlegt. Die folgende Liste werden wir gern um weitere Tarife ergänzen – sobald sie uns bekannt werden. Für Hinweise sind wir also dankbar.

Wahltarife für freiwillig versicherte Selbstständige

Freiwillig versicherte Selbstständige haben zunächst keinen Anspruch auf Krankengeld. Sie können allerdings eine Wahlerklärung abgeben – dann zahlen sie statt des ermäßigten Beitrages für Selbstständige von derzeit 14,3% den Normalbeitrag von derzeit 14,9% und bekommen vom 43. Krankheitstag an ein Krankengeld von 70% des Einkommens, das sie vor der Krankheit hatten. Für Selbstständige, die mehr oder früher Krankengeld bekommen wollen, bieten die Krankenkassen drei Arten von Wahltarifen an:
  • Wahltarife alternativ zur Wahlerklärung:
    • vom 43. Krankheitstag an: Ein solcher Tarif, der exakt dem gesetzlichen Krankengeld entspricht, das man per Wahlerklärung bekommt, wird nur von wenigen Kassen angeboten – und ist, auch wenn man ihn auf den ermäßigten Beitrag von derzeit 14,3% aufschlägt, in der Regel deutlich teurer als der Normalbeitrag per Wahlerklärung von derzeit 14,9%. Bei der IKK Baden-Württemberg Hessen beträgt der Aufschlag 3,9 Prozentpunkte, so dass man am Ende 18,7% bezahlt – und das Krankengeld dennoch höchstens 52 Wochen lang bekommt, statt 78 wie beim gesetzlichen Krankengeld.
    • vom 92. Krankheitstag an: Diesen Tarif bietet die Barmer für einen Aufschlag von 0,4% auf den ermäßigten Beitrag an, so dass man am Ende 14,7% bezahlt.

  • Wahltarife zusätzlich zur Wahlerklärung:
    • vom 15. Krankheitstag an: Kostet einen Aufschlag auf den Normalbeitrag von 0,6% (DAK) über 1,0% (GEK) bis zu 3,9% (IKK Baden-Württemberg Hessen).
    • vom 22. Krankheitstag an: Kostet einen Aufschlag auf den Normalbeitrag zwischen 0,7% (GEK) und 1,0% (Barmer, KKH-Allianz). Die TK verlangt einen pauschalen Aufschlag von 5,80 € je 10 € Krankengeld, das entspricht etwa 1,35%.

  • Wahltarife für ein höheres Krankengeld: Da das gesetzliche Krankengeld auf derzeit 85,75 € pro Tag limitiert ist, bieten einige Kassen Selbstständigen mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze an, über einen Wahltarif ein höheres Krankengeld zu versichern.
    • Alternativ zum gesetzlichen Krankengeld: Bei der IKK Baden-Württemberg Hessen kann man so ein Krankengeld zwischen 100 und 200 € pro Kalendertag ab dem 43. Krankheitstag versichern; zahlen muss man dafür je 10 € Krankengeld einen Aufschlag von 5,00 € auf den ermäßigten Beitrag von derzeit 14,3%.
    • Zusätzlich zum gesetzlichen Krankengeld: Für eine Aufstockung des Krankengeldes reichen die Prämien für jede 10 € zusätzlichen Krankengeldes
      • ab dem 15. Krankheitstag von 2,00 € (DAK) bis zu 17,90 € (GEK),
      • ab dem 22. Krankheitstag bis zu 16,30 € (GEK)
      • ab dem 43. Krankheitstag von 1,50 € (DAK) bis zu 4,50 € (GEK), jeweils pro Monat.

Wahltarife für Künstlerinnen und Publizisten

Künstlerinnen und Publizisten, die über die KSK versichert sind, zahlen den Normalbeitrag von derzeit 14,9% und bekommen dafür vom 43. Krankheitstag an ein Krankengeld in Höhe von 70% des Einkommens, für das sie über die KSK in den letzten zwölf Monaten Beiträge gezahlt haben. Das Sozialgesetzbuch V verpflichtet alle gesetzlichen Kassen, einen Wahltarif anzubieten, nach dem dieser Personenkreis das Krankengeld schon früher – spätestens ab dem 15. Krankheitstag – bekommen kann. Der Aufschlag, der hierfür – je nach Kasse prozentual oder pauschal – fällig wird, muss von den Versicherten allein gezahlt werden; einen Zuschuss der KSK gibt es dazu nicht.
  • Die meisten Kassen verlangen hierfür einen prozentualen Aufschlag auf den Normaltarif, der von 0,6 (DAK) bis zu 3,9 Prozentpunkten (IKK Baden-Württemberg Hessen reicht. Dazwischen liegen die GEK (1,1%) und die Techniker-Krankenkasse, die je 10 € Krankengeld eine Prämie von 3,50 € verlangt, was einem Aufschlag von etwa 0,82% entspricht.

  • Der günstigste uns bisher bekannte Tarif (jedenfalls für alle, die mehr als 800 € im Monat verdienen) ist das Angebot der Barmer: ein pauschaler Aufschlag von 4,80 € im Monat, unabhängig vom Einkommen und von der Höhe des Krankengeldes, für ein Krankengeld von 70% des zuletzt versicherten Einkommens ab dem 15. Krankheitstag (Bitte Nachtrag unten beachten!). Die KKH-Allianz bietet ebenfalls einen Wahltarif mit Pauschalprämie an. Die beträgt hier 5,85 € im Monat; allerdings ist das spätere Krankengeld dabei auf 20 € pro Kalendertag begrenzt – bei der Barmer gibt es für weniger Beitrag bis zu 85,75 €!
Bei einem Monatseinkommen von 500 € ergibt sich hier also eine monatliche Zuzahlung zwischen 3,00 € (DAK) und 19,50 € (IKK Baden-Württemberg Hessen), bei einem Monatseinkommen von 3.000 € zwischen 4,80 € (Barmer) und 117,00 € (IKK Baden-Württemberg Hessen).

Wahltarife für unständig und befristet Beschäftigte

Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen über vier Wochen oder weniger – dazu zählen auch alle unständig Beschäftigten z.B. beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk – sind neuerdings auch vom normalen gesetzlichen Krankengeld ausgeschlossen: Sie bekommen es nur dann (vom 43. Krankheitstag an), wenn sie eine Wahlerklärung abgegeben haben und den Normalbeitrag von derzeit 14,9% bezahlen. Das Sozialgesetzbuch verpflichtet die Krankenkassen jedoch, diesem Personenkreis Wahltarife für ein Krankengeld spätestens vom 22. Kranheitstag an anzubieten. Bei einzelnen Kassen können sie das Krankengeld sogar schon vom ersten Krankheitstag an bekommen (genauer: vom ersten Tag an, nach dem ein Arzt Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat):
  • Krankengeld vom 1. Krankheitstag an: Das kostet bei der DAK einen Aufschlag von 2,4 Prozentpunkten auf den Normalbeitrag, derzeit zahlt man dann also insgesamt 17,3% vom versicherungspflichtigen Einkommen (Arbeitnehmeranteil 10,3%). Die IKK Baden-Württemberg Hessen verlangt dafür einen Aufschlag von 3,9%.
  • Krankengeld vom 15. oder vom 22. Krankheitstag an: Hier gelten die gleichen Konditionen, die oben für freiwillig versicherte Selbstständige genannt wurden.

Nachträge

  • Zum 1.1.2010 wird der Festbeitrag für den Wahltarif der Barmer für KSK-Versicherte von 4,80 auf 8,00 € angehoben. Er ist damit zumindest für Leute, die mehr als 1.333 € im Monat verdienen, immer noch das günstigste unter den uns bisher bekannten Angeboten.
  • Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) schließt sich Anfang 2010 mit der Barmer zusammen. Für die alten GEK-Versicherten bleiben die meisten der oben genannten GEK-Tarife vorerst in Kraft; lediglich KSK-Versicherte werden in den im letzten Spiegelstrich genannten Barmer-Tarif überführt, der ab einem Monatseinkommen von 727 € günstiger ist.

Links und Anmerkungen zu den genannten Krankenkassen:

  • AOK: Von den 15 regionalen AOKen war bis zum 24.8.2009 noch keine ihrer gesetzlichen Verpflichtung zum Angebot von Wahltarifen nachgekommen.
  • Barmer Ersatzkasse: Link zu den Wahltarifen,
  • DAK: Link zu den Wahltarifen,
  • Gmünder Ersatzkasse (GEK): Die Prämien für ein erhöhtes Krankengeld verstehen sich als Aufschläge auf den Wahltarif für den jeweiligen Zahlungszeitpunkt. Will man ein erhöhtes Krankengeld vor dem 43. Krankheitstag, muss man hier also zwei Wahltarife abschießen: einen für die frühere Krankengeldzahlung, und einen für den erhöhten Krankengeldbetrag. Link zu den Wahltarifen,
  • IKK Baden-Württemberg-Hessen: Die IKK BW-He zahlt freiwillig Versicherten und unständig Beschäftigten das Krankengeld nur 52 Wochen lang - statt 78 Wochen, wie beim gesetzlichen Krankengeld. Dass sie Leuten, die das Krankengeld ein Jahr lang nicht in Anspruch nehmen, eine Prämienrückerstattung von einer Monatsprämie gewährt, vermag die auffallend hohen Prämien dieser Kasse jedoch kaum auszugleichen, die für ein Krankengeld vom 1. bis zum 364. Krankheitstag genauso hoch sind wie für dasselbe Krankengeld vom 15. bis zum 42. Krankheitstag. Zudem können die Wahltarife für ein Krankengeld ab dem 15. Krankheitstag hier nur von Leuten abgeschlossen werden, die höchstens 45 Jahre alt sind – wer älter ist, hat halt Pech gehabt. Mit den gesetzlichen Vorgaben ist das nach Auffassung von mediafon nicht vereinbar. Details stehen in der Satzung.
  • KKH-Allianz: Das Krankengeld für Künstler und Publizisten entspricht im Wahltarif exakt dem gemeldeten täglichen Einkommen - aber nur bis zu einem Monatseinkommen von 600 €. Liegt das Monatseinkommen höher, beträgt das Krankengeld pauschal 20 € pro Tag. Details zu den KKH-Tarifen in der Satzung.
  • Techniker-Krankenkasse: Die TK hat ein eigenes Tarifmodell, bei dem man ein festes Krankengeld versichert. Dieses kann man in 10-Euro-Schritten zwischen dem Mindestbetrag von 30 € und dem Höchstbetrag von 70% des versicherten Einkommens frei wählen. Die Prämien sind ebenfalls in Festbeträgen fetgesetzt. Details sind auf der TK-Website nur schwer zu finden, sie stehen aber in der Satzung.
Zu beachten ist: Alle hier genannten Wahltarife können jeweils nur von Leuten abgeschlossen werden, die bereits ihre Grund-Krankenversicherung bei der jeweiligen Kasse haben. Wer seine Kasse wechseln will, weil er bei einer anderen einen günstigeren Krankengeld-Wahltarif bekommt, kann dies jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende tun. Mit dem Abschluss eines Wahltarifs geht er allerdings eine vertragliche Bindung auf drei Jahre mit der jeweiligen Kasse ein. Vorher kann er dieser Kasse auch dann nicht kündigen, wenn sie zwischenzeitlich Zusatzbeiträge einführt.

(23.12.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
Der mediafon-Ratgeber zum Thema Krankengeld

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