Steuer-News (Archiv)

Umsatzsteuer
Keine Umsatzsteuerpauschale für Übersetzer 

Literarische (und andere) Übersetzer sind nicht berechtigt, ihre Umsatzsteuer pauschal mit dem für Schriftsteller geltenden Durchschnittssatz von 2,6 Prozent abzurechnen. Diese endgültige Entscheidung zu einem lange umstrittenen Thema traf der Bundesfinanzhof (BFH) in seinem Urteil vom 23. Juni 2009, das jetzt veröffentlicht wurde.


In vielen Fällen funktionierte die Gleichbehandlung von literarischen Übersetzerinnen und Schriftstellerinnen bisher: Beide sind Freiberuflerinnen, beide schaffen urheberrechtliche geschützte Werke, beide werden in die Künstlersozialversicherung und in das Versorgungswerk der Presse aufgenommen. Jetzt aber hat sich ein Finanzamt erfolgreich quergestellt: Es versagte einer Übersetzerin von Unterhaltungsliteratur die Vorsteuerpauschale, wie sie für Schriftsteller gilt, und bekam, nachdem das Finanzgericht Baden-Württemberg das zunächst anders gesehen hatte, jetzt vom Bundesfinanzhof Recht.

Zentrales Argument des BFH dabei war es, dass die Vorsteuerpauschale nur für Berufsgruppen gelte, bei denen "hinsichtlich des Vorsteuerabzugs (also der Betriebsausgaben) annähernd gleiche Verhältnisse" vorlägen. Das sei aber bei Schriftstellern und Übersetzern nicht der Fall, da bei ersteren häufig Ausgaben für Recherchereisen, Milieustudien und Literaturrecherchen anfielen, die letzteren nicht entstünden. Es gebe auch keinen Grund, Schriftsteller und Übersetzer, die in der Definition der freien Berufe im Einkommensteuergesetz ausdrücklich getrennt aufgezählt seien, nun in einer Gruppe zusammenzufassen. Die Möglichkeit, hier wie in einem früheren Urteil des BFH Einzelfallentscheidungen je nach kreativer Leistung und Schöpfungshöhe zuzulassen, lehnte der BFH ab, da dies "dem Vereinfachungszweck der Vorschrift" widerspreche. Aus dem gleichen Grund sei auch eine Sonderregelung nur für literarische Übersetzer abzulehnen, das dies nur zu "zusätzlichen Abgrenzungschwierigkeiten" führen würde.

Fazit: Übersetzer und Übersetzerinnen müssen ihre Vorsteuer einzeln abrechnen, d.h. sie aus jedem einzelnen Ausgabenbeleg herausrechnen, bevor sie sie von ihren Umsatzsteuereinnahmen abziehen dürfen. Das gilt für alle Übersetzerinnen – nicht nur für die, die technische Anleitungen, Gerichtsdokumente oder Redebeiträge auf Konferenzen übersetzen. Eine Ausnahme für die Übersetzer von Literatur ließ der BFH nicht zu (Aktenzeichen V R 66/07).

(25.09.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zum pauschalen Vorsteuerabzug

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Quelle: www.mediafon.net//meldung_volltext.php3?id=4abcac7534eb2&akt=news_steuern_archiv&view=print&si=58d06673ceca9&lang=1
Druckdatum: 24.11.2017, 19:45:14