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Rechts-News (Archiv)

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Urheberrecht
Pauschalhonorare für Übersetzer sind unangemessen 

Die branchenüblichen Honorare für literarische Übersetzer sind "unangemessen" und müssen – auch rückwirkend – erhöht werden. Das steht in einem Urteil, das der Bundesgerichtshof am 7. Oktober verkündete. Danach muss zusätzlich zu festen Seitenhonoraren auch eine Beteiligung am Verkaufserlös ab einer bestimmten Auflagenhöhe sowie an den Nebenrechtserlösen gezahlt werden.


In der politischen Debatte um den Anspruch auf ein angemessenes Honorar, das 2002 in das Urheberrechtsgesetz eingefügt wurde, mussten die literarischen Übersetzer immer als Beispiel für Honorare herhalten, die zwar branchenüblich, aber "unredlich" sind. Da die Verhandlungen über "gemeinsame Vergütungsrichtlinien" zwischen Verlagen und Übersetzern seither ohne Ergebnis blieben, erhoben einige Übersetzerinnen Klage, um gerichtlich ein höheres Honorar durchzusetzen, als es in ihren Verträgen festgelegt war.

In einem ersten Urteil dazu gab ihnen der Bundesgerichtshof (BGH) am 7. Oktober grundsätzlich Recht: Zwar setzte er sich nicht mit der absoluten Höhe des Seitenhonorars auseinander, das im verhandelten Fall dürftige 15 € pro Manuskriptseite für zwei Romanübersetzungen aus dem Englisch ins Deutsche betrug, stellte aber fest, dass mit einem solchen Pauschalhonorar auf keinen Fall alle Nutzungen des Werkes abgegolten sein können, auf die der Verlag nach dem Verlagsvertrag ein Recht hat. Konkret müsse der Übersetzerin ab einer verkauften Auflage von 5.000 Exemplaren zusätzlich zum Seitenhonorar eine Erlösbeteiligung von 0,8 (Hardcover) bzw. 0,4 Prozent (Taschenbuchausgaben) des Nettoladenverkaufspreises gezahlt werden. Außerdem sei sie zu 50 Prozent am Nettoerlös aus allen Nebenrechtsverwertungen zu beteiligen – auch wenn beides im Vertrag nicht vorgesehen sei.

Damit hat der BGH erstmals der erpresserischen Praxis von Verlagen Grenzen gesetzt, Autorinnen und Autoren zunehmend inakzeptable Vertragsbedingungen und lächerlich niedrige Honorare aufzuzwingen. Auch für die bei Zeitungsverlagen schon fast normalen "Total-Buy-out-Verträge" gibt das Urteil einen wichtigen Hinweis: Eine pauschale Vergütung, die "das berechtigte Interesse der Klägerin nicht wahre, an jeder wirtschaftlichen Nutzung ihrer Übersetzung angemessen beteiligt zu werden", heißt es in der Pressemitteilung des BGH, sei "im Sinne des Gesetzes unangemessen" Damit können auch Total-Buy-out-Verträge, die lediglich ein einmaliges, pauschales Honorar für alle abgetretenen Rechte vorsehen, nicht den Anforderungen des Urheberrechtsgesetzes genügen.

Die schriftliche Urteilsbegründung liegt inzwischen vor. Auf ihr Geld wird die klagende Übersetzerin jedoch noch warten müssen: Da das Oberlandesgericht München in seinem vorangegangenen Urteil nicht geprüft hatte, ob im vorliegenden Fall "besondere Umstände vorliegen, die eine Abweichung von den im Regelfall angemessenen Sätzen rechtfertigen", verwies der BGH den Fall an das OLG zurück (Aktenzeichen I ZR 38/07).

(aktualisiert 10.11.2009)

(07.10.2009)

Verweise zu diesem Artikel:
mediafon-Meldung zur schriftlichen Urteilsbegründung
Pressemitteilung des BGH vom 7.10. zum Urteil
Urteils-Stellungsnahme des Übersetzerverbandes VdÜ in ver.di vom 7.10.

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