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Steuer-News (Archiv)

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Umsatzsteuer
Nur 7 % Mehrwertsteuer für Kinderbuchlesungen 

Die ärgerliche Praxis der Finanzämter, auf die Honorare für Dichterlesungen generell 19 % Mehrwertsteuer zu verlangen, hat das Finanzgericht Hamburg durchbrochen. In einem inzwischen rechtskräftig gewordenen Gerichtsbescheid vom 28. Mai 2009 stufte es die Lesungen eines Kinderbuchautors als Kleinkunst ein. Damit unterliegen sie – wie Theateraufführungen – dem ermäßigten Steuersatz von 7 %.


Bisher war dagegen nicht anzukommen: Bei einer Dichterlesung werden keine Nutzungsrechte übertragen (es sei denn, sie wird aufgezeichnet) – also gibt es keinen Grund, vom normalen Umsatzsteuersatz von 19 % abzuweichen, argumentierten die Finanzämter. Für viele Autorinnen bedeutete das eine deutliche Honorareinbuße, da öffentliche Bibliotheken häufig nicht bereit sind, die Umsatzsteuer zusätzlich zum Honorar zu zahlen – und die zwölf Prozent mehr daher zusätzlich vom Honorar abgehen.

Nun aber hat das Finanzgericht Hamburg einen Ausweg gewiesen – zumindest für Lesungen, die über das bloße Vorlesen hinausgehen: Es bestätigte einem Kinderbuchautor, dass seine Lesungen in Schulen und öffentlichen Bücherhallen der darstellenden Kunst zuzurechnen seien. Anhand der vom Autor vorgelegten Videos erkannte das Gericht, dass dieser nicht bloß vorliest: Er "bringt seinem Publikum – in der Regel Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren – die Inhalte seiner Bücher näher, indem er mit Hilfe der Stimme, Sprache, Körperhaltung und Bewegung – am Theater orientierte Vortragsweisen – die Texte lebendig werden lässt. Er spricht die einzelnen Gestalten seiner Geschichten mit unterschiedlichen Stimmen und unterstreicht die Gefühle der Personen durch Mimik und Gestik." Solche Lesungen aber seien "als Kleinkunst und damit auch als Theateraufführungen einzustufen." Für Theateraufführungen aber gelte der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent – wobei es nicht darauf ankomme, "ob die Untermalungsmittel des Klägers ausreichen, um die Gestaltungshöhe zu erreichen, die für die Einstufung als Theateraufführung im Sinne der Aufführung eines Theaterstücks erforderlich wäre."

Auch steuerlich lohnt es sich also, Lesungen gut vorzubereiten: Wer einfach nur seinen Text vorliest, muss weiterhin 19 Prozent abführen – wer im positiven Sinne "rezitiert", kommt mit sieben Prozent davon (Aktenzeichen 1 K 53/08).

(11.10.2010)

Verweise zu diesem Artikel:
Der Gerichtsbescheid im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zu "7 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer?"

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