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Allgemeine News (Archiv)

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Urheberrecht
BGH erhöht Honorare für literarische Übersetzungen 

Mit einem weiteren Urteil hat der Bundesgerichtshof (BGH) am 20. Januar definiert, was ein "angemessenes" Honorar für literarische Übersetzungen ist, und damit den Druck auf die Verleger erhöht, "gemeinsame Vergütungsregeln" für diesen Bereich abzuschließen. Im konkret entschiedenen Fall setzte der BGH das Honorar deutlich höher an, als es ursprünglich vertraglich vereinbart war.


In der Debatte um die Reform des Urheberrechts zu Anfang des Jahrtausends mussten immer wieder die literarischen Übersetzer als Beispiel dafür herhalten, dass es einer gesetzlichen Vorschrift bedarf, damit Urheberinnen und Urheber endlich existenzsichernde Honorare bekommen. Nun steht der Anspruch auf ein "angemessenes Honorar" schon fast neun Jahre im Gesetz – und an den konkret bezahlten Honoraren für literarische Übersetzungen hat sich kaum etwas geändert.

So musste der BGH erneut darüber entscheiden, ob es "angemessen" ist, wenn ein Übersetzer für eine Sachbuch-Übersetzung aus dem Englischen 19 € pro Manuskriptseite und ab dem 15.000. verkauften (Hardcover-)Exemplar zusätzlich eine "Erfolgsbeteiligung" von 0,5 % des Nettoladenverkaufspreises bekommt. Zwar folgte der BGH in seinem Urteil nicht den Vorstellungen der Literaturübersetzer in ver.di, die vor allem die Seitenvergütung angehoben sehen möchten, befand das vereinbarte Honorar aber insgesamt als zu niedrig: Angesichts des Seitenhonorars von 19 € müsse die Verkaufsbeteiligung nicht erst ab dem 15.000., sondern bereits ab dem 5.000. Exemplar gezahlt werden, und zudem höher sein: Angemessen seien 0,8 % vom Ladenverkaufspreis bei Hardcover-Ausgaben und 0,4 % bei Taschenbüchern. Darüber hinaus befand der BGH, dass Übersetzer von den Erlösen aus dem Verkauf von Nebenrechten (wie Verfilmungs-, Merchandisingrechte usw.) ein Fünftel des Anteils bekommen müssen, den der Originalautor erhält, was bei den üblichen Verträgen 12 % wären und "eklatant mehr (ist), als bislang je an Nebenrechtsbeteiligung gezahlt wurde", wie Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender der Literaturübersetzer in ver.di, feststellte. Nach Auskunft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit diesem Urteil die Verlage in ihrer "Existenzgrundlage bedroht" sieht, sind derzeit zwei bis vier Prozent üblich.

Die Grenze für die Erfolgsbeteiligung sieht Schmidt-Henkel jedoch immer noch zu hoch angesetzt, da nur wenige Bücher mehr als 5.000 mal verkauft werden und und alle anderen Übersetzer damit leer ausgehen würden. Er appellierte zugleich an die Verlage, die Verhandlungen über gemeinsame Vergütungsregeln wieder aufzunehmen. In diesen Verhandlungen hatten beide Seiten im Jahre 2008 bereits ein Ergebnis erzielt, das jedoch von der Mehrheit der Mitglieder des Übersetzerverbandes abgelehnt wurde.

Nach dem Urheberrechtsgesetz hätten solche "gemeinsamen Vergütungsregeln" quasi Gesetzeskraft: Übersetzerinnen könnten Honorare in der dort geregelten Höhe gerichtlich durchsetzen – sogar dann, wenn sie zuvor einen Vertrag mit einem niedrigeren Honorar unterschrieben hätten (BGH, Urteil vom 20.1.2011, Aktenzeichen I ZR 19/09, noch nicht veröffentlicht).

(21.01.2011)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemittelung des Bundesgerichtshofes zum Urteil
Pressemitteilung der Literaturübersetzer in ver.di zum Urteil

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