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zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

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Steuer-News (Archiv)

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Finanzgericht Köln:
Kein "Aufteilungsverbot" beim Arbeitszimmer 

Geht es nach dem Finanzgericht Köln, gilt die eiserne Regel nicht mehr, dass keinerlei Kosten für ein Arbeitszimmer abzusetzen sind, wenn für den betreffenden Raum eine nicht unerhebliche private Nutzung möglich ist oder vermutet wird. In seinem jetzt veröffentlichten Urteil vom 19. Mai stellt das Gericht fest, der Bundesfinanzhof (BFH) habe im Bereich der Dienstreisen seine bisherige Rechtsprechung zum Aufteilungs- und Abzugsverbot aufgegeben. Nun sei zu klären, ob das auch für Arbeitszimmer gelte.


Die Kölner Richter beziehen sich in ihrer Entscheidung darauf, dass der Große Senat des BFH im September 2009 seine ständige Rechtsprechung geändert und zu Reisekosten festgestellt hat, dass § 12 Nr. 1 Satz 2 EstG kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot normiere (siehe BFH-Pressemitteilung). Ende Februar 2011 hat der BFH dies noch einmal präzisiert und festgestellt, dass bei der Kombination einer beruflichen Sprachreise mit einem Erholungsurlaub die Reisekosten jeweils hälftig in einen privaten und betrieblichen Anteil aufgeteilt werden dürfen. (Siehe mediafon-Meldung).

Das Finanzgericht folgert nun daraus, dass dieses Prinzip logischerweise auch auf andere Bereiche anzuwenden ist und für einen nur teilweise für die Arbeit genutzten Raum "eine Aufteilung in einen betrieblichen und einen privaten Anteil vorzunehmen ist." Mit der Aufgabe der bisherigen Haltung des BFH zum Aufteilungs- und Abzugsverbot sei die Rechtfertigung entfallen, bei einem häuslichen Arbeitszimmer die Kosten nur dann als Betriebsausgaben anzuerkennen, wenn das Zimmer nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird. Im konkreten Fall sei "eine hälftige Aufteilung sachgerecht". Es handelt sich dabei um einen großen Raum in dem sich sowohl eine Büroeinrichtung als auch - durch ein Regal getrennt - privat nutzbare Einrichtungsgegenstände fanden. Hier hatte das Finanzamt nach einer Ortbegehung wie üblich festgestellt, es widerspreche der Lebenserfahrung, dass ein Raum, "der mit Sofas, Fernseher und Esstisch ausgestattet sei und einen direkten Zugang zur Küche und der Terrasse besitze", nicht privat genutzt werde, insbesondere, weil sich im Haus kein weiteres Wohn- oder Esszimmer befinde. Der Arbeitsbereich des Raumes sei daher "derart in die häusliche Sphäre eingegliedert", dass es sich nicht insgesamt um ein häusliches Arbeitszimmer handeln könne. Das Kölner Gericht bestätigte diese Einschätzung, widerspricht jedoch der Folgerung, dass damit die Absetzbarkeit komplett unmöglich sei.

Die Revision wurde wegen der grundsätzlichen Bedeutung - insbesondere in der Frage der Aufteilung der Kosten - zugelassen.

Update 22.1.2013: Ein ähnliches Urteil hat am 24.4.2012 auch das Finanzgericht Niedersachsen gefällt (8 K 254/11) – auch hier steht die Revision des Bundesfinanzhofes noch aus. Aber auch solange diese Revisionen noch nicht entschieden sind, empfiehlt es sich, in ähnlichen Konstellationen die entsprechenden Kosten geltend zu machen und gegen eine Ablehnung durch das Finanzamt mit Verweis auf diese Urteile Einspruch einzulegen.



(04.07.2011)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil des FG Köln im Volltext
mediafon-Ratgeber zum häuslichen Arbeitszimmer

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