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Versicherungs-News (Archiv)

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Krankenversicherung
Hände weg von Billigtarifen privater Krankenkassen 

Eine deutliche Warnung vor den "Einsteigertarifen" privater Krankenkassen hat das hannoversche Unternehmen Franke und Bornberg nach einer eingehenden Analyse entsprechender Tarife ausgesprochen: Die Leistungen dieser Tarife lägen häufig unter dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung; darüber hinaus seien für die Zukunft überdurchschnittliche Beitragserhöhungen vorgezeichnet.


"Private Krankenversicherung nur für Selbstständige – schon ab 59 € im Monat": Kaum eine Website zu Finanzthemen, die heute noch ohne derartige Werbebanner erscheint. Da werden Selbstständige hellhörig, denen die gesetzliche Krankenversicherung für eine freiwillige Mitgliedschaft nicht unter 285 € im Monat abverlangt. Trotzdem: Nach einer ausführlichen Analyse derartiger Tarife raten die Versicherungsmakler Franke und Bornberg, die sich auf Versicherungsvergleiche und -Ratings spezialisiert haben, ab.

Erster Grund: Die Einsteigertarife, die manchmal nur ein Drittel bis die Hälfte der Standardtarife der jeweiligen Gesellschaft kosten, decken in der Regel kaum ab, was man von einer Krankenversicherung erwartet: Häufig fehlt die Erstattung von Psychotherapie, Kuren und Reha-Maßnahmen, Heilpraktiker-Behandlungen, ambulanten Transporten, künstlicher Befruchtung, Zwei-Bett-Zimmern im Krankenhaus, und von den Kosten für Zahnersatz trägt die Versicherung meist deutlich weniger als die üblichen 60 Prozent.

Zusätzlich problematisch ist, dass diese Tarife häufig über Versicherungsvergleichsportale angeboten und via Internet abgeschlossen werden, obwohl Krankenversicherungen "eigentlich nichts fürs Internet" sind, so Franke und Bornberg, da sie "die beratungsintensivste Versicherung überhaupt" seien. Vielen Versicherten sei auch nach Abschluss der Versicherung nicht klar, was sie im Krankheitsfall selbst zu zahlen hätten.

Zudem, so heißt es in der Analyse weiter, seien diese Tarife als Kampfpreise nur "für eine bestimmte Bedarfssituation", z.B. die Existenzgründung, kalkuliert – und zwar häufig so knapp, dass Kulanzleistungen schlicht nicht möglich und erhebliche Beitragserhöhungen in der Zukunft quasi programmiert seien. Dann aber ist es zu spät: Wer einmal privat krankenversichert ist, hat als Selbstständiger keine Möglichkeit mehr, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren.

Die mangelhafte Information der Versicherten sorgt offenbar auch bei den Versicherungen für viel Ärger. Die DKV jedenfalls hat sich entschlossen, ihren erst drei Jahre alten Einsteigertarif ab Dezember nicht mehr anzubieten, da die dort möglichen Leistungen "in der Regel nicht dem Anspruch (entsprechen), den man an eine private Krankenversicherung haben sollte", so DKV-Chef Clemens Muth. Eingeführt habe man solche Tarife ursprünglich in der Hoffnung, dass die Versicherten später in einen der teuren Normaltarife umsteigen würden. Diese Hoffnung hat sich jedoch zumindest bei der DKV nicht erfüllt.

Auch die Central-Krankenversicherung hat ihren Billigtarif "Ecoline" seit dem 1. August 2011 aus dem Angebot genommen. Die Hoffnung, dass viele Kunden aus diesem Tarif mit der Zeit auf einen "höherwertigen" Tarif umsteigen würden, habe sich nicht erfüllt, sagte der Vorstandsvorsitzende Heinz Teuscher. Dagegen sei in diesem "Preissegment" der Anteil der "Nichtzahler", die ihre Beiträge schuldig blieben, besonders hoch, was dann zu Beitragserhöhungen für die normal Versicherten führe. Teuscher betrachtet diesen Ausstieg als "Notbremse", da in den letzten Jahren nur noch weniger als die Hälfte der Neukunden Verträge zu Normaltarifen abgeschlossen hätte.

Gefährlich für die Versicherten, so Franke und Bornberg, würden solche Tarife auch durch die mangelhafte Informiertheit von Ärzten, die "von einem PKV-Patienten in der Regel nicht (erwarten), dass sein Leistungsumfang eingeschränkt ist", und deshalb Behandlungen empfehlen, von deren Kosten der Versicherte besonders viel selbst tragen muss.

Übrigens: Einsteigertarife zu 59 € im Monat, wie sie im Internet allenthalben beworben werden, waren gar nicht Gegenstand der Untersuchung. Die hier untersuchten zwölf Tarife kosteten für einen Mann von 35 Jahren zwischen 130,42 € (HanseMerkur) und 199,76 € (Allianz) im Monat und wurden überwiegend mit "ausreichend" bis "sehr schwach" beurteilt. Eine Bewertung mit "noch befriedigend" erreichten allein die Tarife V333S2 der Central (177,62 €), PRIMO der Halleschen (194,13 €) und AktiMed Start70,591 der Allianz (199,76 €). Der demnächst nicht mehr angebotene Tarif der DKV (BestMed1, G25) kostet 164,59 € und wurde mit "sehr schwach" beurteilt.

(aktualisiert 2.8.2011)

(12.07.2011)

Verweise zu diesem Artikel:
Die FAZ zur Franke-und-Bornberg-Studie
Das Versicherungsjournal Versicherung & Finanzen zur Studie
Homepage von Franke und Bornberg (die komplette Studie kostet leider 490 €)
Der mediafon-Ratgeber zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung
FAZ.NET zum Ausstieg aus den Billigtarifen

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