Zurück zur StartseiteWer wir sind und wie wir beratenDer mediafon-RatgeberTermine & SeminareHonorare, Empfehlungen, Verträge und TarifeVolltext-SucheInterner Bereich





Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Rechts-News (Archiv)

Zurück zur Übersicht

Vertragsrecht
Auftragnehmer schuldet keinen 'Wow-Effekt' 

Weil der erhoffte "Wow-Effekt" nach Fertigstellung eines bestellten Kunstwerkes ausgeblieben war, weigerte sich eine Auftraggeberin, das Werk zu bezahlen. Dazu hatte sie aber kein Recht, stellte das Amtsgericht München am 10. April fest: Da das Werk dem Vertrag entspreche, sei sie verpflichtet, es abzunehmen – und natürlich auch zu bezahlen.


Es ist ein auch unter Selbstständigen weit verbreiteter Irrtum, dass ein Auftraggeber ein bestelltes Werk zurückweisen kann, wenn es ihm nicht gefällt (und dann auch nicht zu bezahlen braucht). Dass dem keineswegs so ist, hat jetzt wieder einmal das Amtsgericht München mit einem erfreulich klaren Urteil festgestellt.

Da hatte eine Hausbesitzerin bei einem Künstler über eine Kunstberaterin eine Installation für ihr Treppenhaus bestellt: ein Hinterglasbild für ein Treppenhausinnenfenster, das durch das eintretende Sonnenlicht quasi auf eine Wandfläche projiziert werden sollte. Laut Auftrag sollte sich dieses Werk an Gemälden orientieren, die in einem Katalog des Künstlers abgebildet waren. Weitere Vorgaben gab es im Auftrag nicht.

Als der Künstler das Hinterglasbild im Treppenhaus montierte, zahlte ihm die Auftraggeberin zunächst die Hälfte der Auftragssumme vom 4.500 €, weigert sich aber später, die restlichen 2.250 Euro zu bezahlen, da sich bei ihr beim Betrachten des Werkes der erhoffte "Wow-Effekt" nicht eingestellt habe, wird sie in der Pressemitteilung des Gerichts zitiert. Ihre Enttäuschung begründete sie damit, dass es ihr darauf angekommen sei, im Treppenhaus eine Art Sonnenuntergangsstimmung zu erzeugen. Das sei mit der Installation jedoch nicht erreicht worden. Deshalb verlangte sie von der Kunstberaterin zusätzlich auch noch die bereits bezahlten 2.250 € zurück.

Damit aber kam sie beim Amtsgericht München nicht durch. Das stellte zunächst fest, dass die Installation auftrags- und ordnungsgemäß geliefert worden war – und deshalb wie vereinbart zu bezahlen sei. Wer ein Kunstwerk bestelle, hielt das Gericht fest, trage immer das Risiko, ein Werk abnehmen (und bezahlen) zu müssen, das ihm nicht gefalle. Wenn sie das vermeiden wolle, müsse die Bestellerin sich vorher mit den künstlerischen Eigenarten und Auffassungen des Auftragnehmers vertraut machen.

Dieser sei in der Gestaltung des bestellten Werkes frei, sofern der Vertrag – wie es hier der Fall war – dazu keine bestimmten Einschränkungen oder Vorgaben enthält. Die gelieferte Installation habe damit dem Vertrag entsprochen und müsse deshalb abgenommen und bezahlt werden. Das Urteil (Aktenzeichen AZ 224 C 33358/10 vom 10.4.2011) ist rechtskräftig.

Natürlich ist dieses Urteil sinngemäß auch auf andere Arten von Werkverträgen anwendbar: Wer einen Text, ein Foto, eine Website, ein Computerprogramm, ein Hochzeitskleid in Auftrag gibt, darf das gelieferte Werk nicht mit dem Argument zurückweisen, es gefalle ihm nicht. Die Abnahme verweigern darf er nur, wenn das Werk nicht dem Auftrag entspricht, nicht funktioniert oder handwerkliche Fehler enthält. In diesem Fall muss er der Auftragnehmerin freilich die Möglichkeit zur Nachbesserung geben, bevor er die Zahlung verweigern darf.

(13.04.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung des Amtsgerichts München zum Urteil
Der mediafon-Ratgeber zum Thema "Wenn der Kunde nicht zufrieden ist"

Auf Sozialen Netzwerken posten:
Zum Seitenanfang

Meldung versenden   |    Druckversion dieser Seite   |   Impressum