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Allgemeine News (Archiv)

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Bundesregierung
Freie Hebammen bekommen wieder nur schöne Worte 

In "einigen Leistungsbereichen" selbstständiger Hebammen besteht "Spielraum für die Vereinbarung einer höheren Vergütung". Das ist das Fazit, das das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aus dem von ihm selbst in Auftrag gegebenen "Hebammengutachten" zieht, das am 4. Mai veröffentlicht wurde. Weiteren Handlungsbedarf sieht das BMG nicht – obwohl das Gutachten einen flächendeckenden Rückgang des außerklinischen Geburtshilfe und eine "unterdurchschnittliche Versorgungslage" in mehreren Regionen konstatiert.


Mit ihren Streiks im letzten Jahr haben die freiberuflich tätigen Hebammen einiges in Bewegung gesetzt. Weil ihre auf niedrigem Niveau stagnierenden Vergütungen und die in unbezahlbare Höhen gestiegenen Prämien für die obligatorische Haftpflichtversicherung damals zum Thema der öffentlichen Diskussion wurden, hatte das BMG beim Institut für Gesundheit und Sozialforschung (IGES) GmbH ein Gutachten in Auftrag gegeben, das jetzt unter dem Titel "Versorgungs- und Vergütungssituation in der außerklinischen Hebammenhilfe – Ergebnisbericht für das Bundesministerium für Gesundheit" veröffentlicht wurde.

Zwar bestätigt das Gutachten, dass die klinische und außerklinische Geburtshilfe zusammen in Deutschland eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung gewährleisten – in einigen Regionen, etwa Passau und Rostock/Stralsund, sei die Versorgungslage aber bereits "unterdurchschnittlich", und für die Wochenbettbetreuung und Geburten, die durchgehend von ein und derselben Hebamme persönlich betreut werden ("1:1-Betreuung"), übersteige die Nachfrage bereits das Angebot. Beide Leistungen werden von selbstständigen Hebammen zunehmend weniger angeboten. 79 Prozent von ihnen haben bereits die gesamte Geburtshilfe aus ihrem Angebot gestrichen; viele bieten auch keine Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse mehr an. Als "hauptsächlichen" Grund dafür nennt das Gutachten auf Basis einer Befragung von 3.600 Hebammen, dass Leistungen der Geburtshilfe nicht mehr "rentabel" zu erbringen seien, wofür wiederum die gestiegenen Kosten der Berufshaftpflichtversicherung "ausschlaggebend" seien. Insgesamt kamen von den 667.464 Kindern, die im Jahre 2009 in Deutschlang geboren wurden, nur noch 1,7 Prozent "außerklinisch", also zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt.

Vor diesem Hintergrund habe Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den Hebammen "seine Unterstützung zugesagt", berichteten die Tagesthemen. Die beschränkt sich jedoch offenbar zunächst wieder auf schöne Worte: Der Minister nehme die Sorgen der Hebammen "sehr ernst", heißt es in einer Pressemitteilung nach einer Demonstration von Hebammen vor dem Ministerium, und betone, die Sicherstellung der Möglichkeit zur freien Wahl des Geburtsortes erfordere eine "angemessene Vergütung" der Hebammen. Die aber soll weiterhin in Verhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung und den Hebammenverbänden gefunden werden, wobei nach Auffassung des Ministeriums "in einigen Leistungsbereichen – insbesondere soweit die Nachfrage das Angebot übersteigt – Spielraum für die Vereinbarung einer höheren Vergütung" bestehe. Bei den Vergütungsverhandlungen seien "insbesondere auch die steigenden Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung zu berücksichtigen".

Damit jedoch ist so schnell nicht zu rechnen: Diese Erklärung war kaum auf dem Tisch, da platzten die Vergütungverhandlungen, weil der Spitzenverband interne Unterlagen weitergegeben hatte und die Verhandlungen mit Verfahrenstricks zu verschleppen versuchte. Derweil ist eine weitere Erhöhung der Haftpflichtprämien bereits beschlossene Sache: Im Juli sollen sie pro Hebamme und Jahr von 3.700 auf 4.242 € steigen – im Jahre 2002 lagen sie noch bei 450 €.

(04.05.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums vom 4. Mai
Das vollständige Gutachten

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