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zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

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Steuer-News (Archiv)

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Häusliches Arbeitszimmer
Zwei Leute – ein Arbeitszimmer – Kostenabzug nur einmal 
Teilen sich zwei Steuerpflichtige ein gemeinsames häusliches Arbeitszimmer, so dürfen sie – sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind – den Höchstbetrag von 1.250 € nur einmal als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten ansetzen. Diese Auffassung des Finanzministeriums bestätigte das Finanzgericht Baden-Württemberg in einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 12. Juli 2012.

So richtig einleuchtend ist das nicht: Da nutzte ein Lehrerehepaar im gemeinsamen Einfamilienhaus ein großes Zimmer von knapp 26 Quadratmetern als gemeinsames Arbeitszimmer und zog – da das Arbeitszimmer für beide nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildete – in seiner Einkommensteuererklärung von den nachgewiesenen Kosten für beide jeweils 1.250 € als Werbungskosten ab.

Damit war das Finanzamt jedoch nicht einverstanden: Es ließ den Abzug der 1.250 € nur einmal zu, anteilig auf beide Eheleute verteilt. Das verstanden diese wiederum als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Denn schon wenn sie das Zimmer einfach mit einer Mauer teilen würden, begründeten sie ihre Klage gegen diese Entscheidung, hätten sie zwei Räume und könnten den Höchstbetrag bei ansonsten unveränderten Verhältnissen zweimal absetzen.

Dem folgte das Finanzgericht Baden-Württemberg jedoch nicht. Der Höchstbetrag von 1.250 € sei im Gesetz objektbezogen und unabhängig von der Zahl der nutzenden Personen sowie von der Höhe der tatsächlichen Aufwendungen festgelegt, heißt es im Urteil; ein doppelter Abzug käme zudem dem unbeschränkten Kostenabzug sehr nahe, den der Gesetzgeber mit dieser Regelung ja gerade vermeiden wollte. Das Arbeitszimmer in dieser Weise zu nutzen (und es nicht durch eine Mauer zu teilen) sei schließlich die "bewusste Willensentscheidung" der beiden Eheleute, deren Rechtsfolgen sie dabei berücksichtigen konnten. Der Gesetzgeber sei nun mal nicht verpflichtet, "alle möglichen Handlungsalternativen eines Steuerpflichtigen vollkommen gleich" zu behandeln. Hätten die Kläger sich etwa entschieden, im Wohnzimmer zu arbeiten, statt sich ein spezielles Arbeitszimmer einzurichten, dürften sie schließlich gar keine Kosten abziehen.

Diese Argumentation ist ohne Einschränkung auch auf Selbstständige mit einem häuslichen Arbeitszimmer zu übertragen, das nicht den Mittelpunkt ihrer gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet. Gegen das Urteil (Aktenzeichen 3 K 447/12 vom 12.7.2012) wurde Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen; es ist also noch nicht rechtskräftig.

(25.09.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zu den Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

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