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Allgemeine News (Archiv)

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Branchenberichte
Einkommenskatastrophe im Dokumentarfilmbereich 

Das durchschnittliche Einkommen von Autorinnen und Regisseuren im Bereich Dokumentarfilm liegt bei 1.380 Euro im Monat. Dabei handelt es sich überwiegend um Honorare, die von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bezahlt werden. Das ist das Ergebnis einer als repräsentativ vorgestellten Befragung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK). Darin gaben nur 15 Prozent der Befragten an, von der Arbeit in diesem Beruf leben zu können.


636 Euro im Monat – das ist erheblich weniger, als ein durchschnittlicher Hartz-IV-Empfänger inklusive Mietkosten erhält. Und es ist ein Einkommen, das 18 Prozent der professionellen Dokumentarfilmautoren und -regisseurinnen in Deutschland mit dieser Arbeit regelmäßig nicht erreichen. Auf ein Jahreseinkommen von mehr als 40.000 € (das sind 3.333 € im Monat) kamen nur ganze sechs Prozent der Befragten. Kaum überraschend, das 85 Prozent der Befragten angaben, von ihrem Beruf nicht leben zu können und mit berufsfremden Tätigkeiten hinzuverdienen zu müssen. 43 Prozent waren zumindest zeitweise auf Unterstützung durch Familienmitglieder angewiesen.

Das ist das erschütternde Ergebnis einer anonymen Onlinebefragung, die die AG DOK im 2. Quartal 2012 unter ihren 870 Mitgliedern durchführte und die mit einer Rücklaufquote von 13,4 Prozent nach Auffassung der mit der Auswertung beauftragten Langer Media Consulting Berlin repräsentativ ist: 70 Prozent der Befragten nannten ihre berufliche Perspektive "negativ" oder gar "sehr negativ".

Den wesentlichen Grund für diesen deprimierenden Befund sieht Alice Agneskirchner, zweite Vorsitzende der AG DOK, in den Sparbestrebungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die die wichtigsten Auftraggeber in diesem Bereich sind. Diese investierten zwar "Unsummen in Sportrechte, Unterhaltungsprogramme und Talkshows", ließen dabei aber "ihre Kernkompetenz – die anspruchsvolle Dokumentation – zunehmend . . . finanziell austrocknen", so dass sie den Absolventen der vielen Filmhochschulen keine Perspektive mehr bieten könnten, "die dem Aufwand und den Kosten dieser Ausbildung angemessen ist." Die Honorare im Dokumentarfilmbereich betrügen heute oft nur noch ein Drittel dessen, was im Spielfilmbereich "ganz selbstverständlich bezahlt wird", sagte Agneskirchner.

Vor allem kritisierte sie, dass die Autorentätigkeit und Regiearbeit im "Tarifvertrag für Film- und Fernsehschaffende" gar nicht erfasst wird. Im Ergebnis verdienten die Regisseure, "die ja die Gesamtverantwortung für die künstlerische Gestaltung, den Inhalt und für die termingerechte Fertigstellung des Films tragen," häufig weniger als die beteiligten Kameraleute, Cutterinnen und Produktionsleiter. Solange diese Schieflage nicht beseitigt sei, könne "von den im Rundfunkstaatsvertrag geforderten 'fairen Vertragsbedingungen' und von einer 'angemessenen Vergütung' der Dokumentarfilm-Urheber keine Rede sein", heißt es in der Pressemitteilung der AG DOK.

(26.10.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung der AG DOK vom 25.10.2012
Die Untersuchung der AG DOK im Volltext

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