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Steuer-News (Archiv)

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Rechtsprechung
Finanzgericht will nur sieben Prozent bei Autorenlesung 

Mit dem Finanzgericht Köln hat sich nun ein zweites Gericht gegen die ärgerliche Vorschrift gestellt, nach der von Honoraren auf Autorenlesungen 19 Prozent Umsatzsteuer abgeführt werden müssen. In einem jetzt veröffentlichten Urteil vom 30. August stufte das Gericht solche Lesungen generell als "einer Theateraufführung vergleichbar" und damit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterliegend ein.


Als erstes hatte sich vor dreieinhalb Jahren das Finanzgericht Hamburg aus der Deckung gewagt: In einem Bescheid vom 28. Mai 2009 hatte es die Lesungen eines Kinderbuchautors als "Kleinkunst" eingestuft, deren Honorare lediglich mit sieben Prozent zu versteuern sind. Diesen Bescheid hatte es allerdings maßgeblich darauf gestützt, dass der Autor in seinen Lesungen über das bloße Vorlesen hinausgehe und tatsächlich eine schauspielerische Leistung erbringe. Deshalb dürfe er zwar nicht den ermäßigten Steuersatz für die Übertragung von Urheberrechten, wohl aber den für Theateraufführungen und vergleichbare Leistungen anwenden. Was freilich gleichzeitig bedeutete, dass "normale" Lesungen weiterhin mit 19 Prozent zu versteuern seien.

Diese Beschränkung überwand das Finanzgericht Köln nun mit einer pfiffigen Argumentation: Es stellte zunächst fest, dass immer dann, wenn "ausübende Künstler" urheberrechtlich geschützte Werke vortragen, der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent zur Anwendung käme – egal ob bei Theateraufführungen, Konzerten, Ballettdarbietungen oder Rezitationen. Das aber gelte auch hier, denn das Lesungshonorar erhalte die Autorin schließlich nicht in ihrer Eigenschaft als Urheberin, sondern dafür, dass sie "ihr literarisches Werk in Form einer Lesung" darbiete. Eine solche Darbietung aber sei als Kleinkunst einzuordnen und unterliege nach § 12 Nr. 7a dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent.

Auf die bemühten Argumente des Finanzamtes ging das Gericht gar nicht weiter ein. Das hatte unter anderem argumentiert, dass das Buch, um das es in den Lesungen ging, nach Angaben der Autorin zu 70 Prozent autobiographisch sei, so dass sie bei den Lesungen ja nur ihre eigene Lebensgeschichte vortrage und gar "nicht in die Rolle einer anderen, im Buch beschriebenen Person schlüpfe". Damit aber, so das Finanzamt, erbringe sie auch keine schauspielerische Leistung, wie sie Voraussetzung für eine "Theatervorführung" sei. Und dass der Umsatzsteuer-Anwendungserlass in seinem Abschnitt 12.7 Abs. 8 sagt, dass Lesungen "grundsätzlich" dem Allgemeinsteuersatz von 19 Prozent unterliegen, bezeichnete das Gericht als "nicht weiter begründete Rechtsauffassung", die "Zweifel an der hier vertretenen Rechtsauffassung des Senats" nicht begründen könne.

Gegen das Urteil (Aktenzeichen 12 K 1967/11) wurde Revision zugelassen – es ist für die Finanzämter also (noch) nicht bindend. Dennoch können Betroffene durchaus mit Verweis auf dieses Urteil ihre Lesungen mit sieben Prozent abrechnen und gegen einen anders lautenden Steuerbescheid Einspruch einlegen. Aber Vorsicht: Wissen sollten sie dabei, dass Finanzämter in solchen Fällen – wie auch in dem hier verhandelten Fall – gern erst einmal eine Betriebsprüfung bei der betroffenen Autorin anordnen. Ob die Summe, die sie durch den ermäßigten Steuersatz sparen kann, den Nerv aufwiegt, den eine Betriebsprüfung in der Regel mit sich bringt, muss jede für sich entscheiden.

(30.10.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung des Finanzgerichts Köln vom 15.10.2012
Das Urteil 12 K 1967/11 vom 30.8.2012 im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zur Frage "7 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer?"

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