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Allgemeine News (Archiv)

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Arbeitsbedingungen
ver.di-Papier gegen Crowdsourcing und Cloudworking 

In einem unter anderem vom ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske und Betriebsräten aus zahlreichen IT-Unternehmen unterzeichneten "Crowdsourcing-Cloudworking-Papier" warnt die Vereinte Dientleistungsgewerkschaft ver.di vor einer
"Kannibalisierung von Arbeitsbedingungen", wegbrechenden Steuereinnahmen und der Überforderung der Sozialversicherungssysteme durch neue Arbeitsorganisations- und Auftragsvergabemodelle.


Crowdsourcing: Für ehrenamtliche Projekte macht das Sinn – Wikipedia hat es eindrucksvoll demonstriert. Kommerziell angewandt aber droht der Verwandte des "Outsourcing", Honorare in den absoluten Dumping-Bereich zu drücken. Crowdsourcing meint: Großunternehmen sourcen nicht mehr ganze Unternehmensbereiche an Fremdfirmen aus, sondern zerlegen wichtige Projekte in viele einzelne Schritte, die dann über Freelancer-Plattformen weltweit ausgeschrieben werden. Anders aber als bei den berüchtigten Handwerker-Portalen, wo immer der "gewinnt", der den niedrigsten Preis anbietet, wird beim Crowdsourcing gar nicht erst angeboten: Freelancer erledigen die ausgeschriebene Arbeit einfach sofort auf Verdacht und reichen das fertige Produkt ein. Und wessen Produkt dem Auftraggeber am besten gefällt, der wird dafür auch bezahlt – die anderen schauen in die Röhre.

Das bedeutet: Unbezahlte Arbeit von Selbstständigen wird zum Standard; das Unternehmerrisiko wird vollständig auf die Selbstständigen verlagert, und ob man von seiner Arbeit leben kann, wird zum Glücksfall. Für die Auftraggeber allerdings ist das ein traumhaftes Modell: Sie bekommen Zugriff auf Arbeitskräfte in Ländern mit den niedrigsten Löhnen, können massenhaft eigene Leute entlassen und haben trotzdem die Garantie, dass ihre Projekte perfekt abgewickelt werden.

Wenn auch der Branchenverband BITKOM hierin noch keinen aktuellen Trend sieht – die entsprechenden Freelancer-Portale gibt es bereits, und über IBM wurde schon im Februar berichtet, das Unternehmen wolle im Zusammenhang mit einem derartigen Modell in Deutschland 8.000 seiner 20.000 Arbeitsplätze streichen (was von IBM energisch dementiert wurde). Auch SAP dementierte entsprechende Pläne, betonte allerdings, man wolle bei Neueinstellungen künftig "deutlich reduzierter und fokussierter" vorgehen.

Gewerkschaftsvertreter und Mitglieder von Betriebs- und Aufsichtsräten von IT-Unternehmen, die sich am 19. Oktober in Berlin zu einem Austausch trafen, forderten denn auch, sich mit den gesellschaftlichen Konsequenzen von Crowdsourcing und Cloudworking genau auseinanderzusetzen, da deren Risiken "gigantisch" seien: Als Folge der "massenhaften Vernichtung guter, sicherer und hochqualifizierter Arbeitsplätze", so heißt es in ihrem Papier, drohten
  • "sinkende Zuflüsse in die Sozialversicherungssysteme,
  • Steigende Anforderungen an die Sozialversicherungssysteme,
  • Wegbrechende Steuereinnahmen,
  • Kannibalisierung von Arbeitsbedingungen."
Dabei solle es das Ziel sein, "dass mit qualifizierter Arbeit auch in Zukunft existenzsichernde und wohlstandsaufbauende Einkommen in Deutschland und in jedem Land erzielt werden können und eine Daseinsvorsorge möglich bleiben muss". Zugleich müsse es den Auftraggebern unmöglich gemacht werden, sich durch neue Arbeitsmodelle "der Finanzierung des Gemeinwohls zu entziehen".

(06.11.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Das ver.di-Positionspapier zum Download
Bericht des manager-Magazins zum Thema

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