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Allgemeine News (Archiv)

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Honorarumfrage
'Literaturübersetzen bleibt ein ruinöser Beruf' 

Zehn Jahre nach der Einführung des Anspruchs auf ein angemessenes Honorar im Urheberrecht unterläuft immer noch die Mehrheit der Verlage die Gesetzgebung und die höchstrichterlichen Urteile dazu. Das ist das Ergebnis einer Umfrage aus dem Jahre 2011, die der "Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer Werke" (VdÜ in ver.di) jetzt veröffentlicht hat. Ein Jahresumsatz von 24.000 € ist danach in diesem Beruf ein Spitzenwert, der nur unter optimalen Bedingungen zu erreichen ist.


Vor zehn Jahren waren die Literaturübersetzerinnen auch im Bundestag immer als Beispiel für Notwendigkeit genannt worden, das Urhebervertragsrecht zu novellieren, damit Urheber endlich "angemessene" Honorare bekommen. Zehn Jahre später fasst der VdÜ als Ergebnis seiner Studie zur Honorarsituation zusammen, "dass das Literaturübersetzen auf dem deutschsprachigen Markt 1. ökonomisch ein unattraktiver, um nicht zu sagen ruinöser Beruf bleibt, dem 2. naheliegenderweise der Nachwuchs auszugehen droht. 3. besteht Anlass zur Sorge, ob das hohe Maß an Professionalität und die daraus resultierende Qualität unserer Übersetzungskultur unter diesen Bedingungen erhalten bleiben können."

Nach dem Ergebnis der Umfrage, nach der sich 227 Übersetzerinnen und Übersetzer beteiligt haben, sind die durchschnittlichen Honorare seit 2002 zwar leicht gestiegen, jedoch blieb diese Steigerung unter der Inflationsrate. Zudem "praktiziert immer noch die Mehrheit der Verlage bei der Vertragsgestaltung das Recht des Stärkeren." Als Ergebnis lag das durchschnittliche Jahreseinkommen von in Vollzeit tätigen Übersetzern noch unter dem Wert von 16.983 €, den die Künstlersozialkasse für das Jahr 2010 als Durchschnittseinkommen von Wortautorinnen und -autoren angab. Einen Spitzenumsatz von 24.000 Euro; im Jahr kann nach dieser Umfrage nur erzielen, wer
  • voll arbeitet (d.h. etwa 1.100 Normseiten im Jahr übersetzt),
  • keinerlei Auftragslücken hat,
  • mindestens bei jedem vierten Auftrag nicht nur pro übersetzte Seite bezahlt, sondern am Verkaufsergebnis beteiligt wird (was tatsächlich bei jedem Auftrag angemessen wäre),
  • von der Verwertungsgesellschaft Wort überdurchschnittlich hohe Ausschüttungen bekommt.
  • außerdem noch zusätzliche Einnahmen durch Lesungen oder zwei bis drei Gutachten pro Jahr erzielt
  • und zudem in jedem zweiten oder dritten Jahr für ein Stipendium ausgewählt wird.
Nur so geht es. Und von den 24.000 € bleibt dann nach Abzug der Betriebsausgaben auch nur ein Jahreseinkommen von 16.000 € und nach Abzug von Steuern und Vorsorgeausgaben ein monatliches Nettoeinkommen von kaum noch 1.000 € übrig: "Die Literaturübersetzer, von denen die Verlage gleichwohl absolute Professionalität erwarten, werden weiter vergütet wie Freizeitübersetzer", resümiert der 1. Vorsitzende des VdÜ, Hinrich Schmidt-Henkel.

Kein Wunder, dass die Branche überaltert und zunehmend Probleme hat, junge Leute für diesen Beruf zu gewinnen. Und natürlich sind es vor allem wieder Frauen, die dafür sorgen, dass "die hohe Qualität der Übersetzungskultur" in Deutschland aufrecht erhalten wird: Nur jede vierte Übersetzerin ist ein Mann, nur jede dritte ist jünger als 46 Jahre, und der Gruppe derer, die mit über 65 Jahren noch für ihre Lebensunterhalt übersetzen, ist inzwischen genauso groß wie die Gruppe der unter-35-Jährigen.

Als Konsequenz aus diesen Ergebnissen sieht es der VdÜ weiterhin als seine Aufgabe an, "auf Gemeinsame Vergütungsregeln mit den Verlagen hinzuarbeiten, die diese Misere zugunsten angemessener Honorare beenden". Denn, so Schmidt-Henkel, "solange es keine Gemeinsame Vergütungsregeln gibt, hat die Branche keinen Frieden."

(28.11.2012)

Verweise zu diesem Artikel:
Die komplette Studie "Literaturübersetzende in Deutschland: Ein Lagebericht"

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