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Allgemeine News (Archiv)

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Statistik
Zahl der Solo-Selbstständigen explodiert 

Die Zahl der Solo-Selbstständigen hat in Deutschland von 1,8 Millionen im Jahr 2000 um 40 Prozent auf 2,6 Millionen im Jahre 2011 zugenommen. Von ihnen sind allerdings 800.000 dem Niedriglohnsektor zuzuordnen. Das hat eine Studie ergeben, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, am 13. Februar veröffentlichte. Einen wesentlichen Grund für die Zunahme sieht der Autor Karl Brenke in der anhaltenden Streichung fester Stellen.


Die Illusion, dass Selbstständige automatisch viel Geld verdienen, hält sich offenbar hartnäckig: 40 Prozent der für die Studie "Allein tätige Selbstständige: starkes Beschäftigungswachstum, oft nur geringe Einkommen" befragten Solo-Selbstständigen gaben an, diesen Status gewählt zu haben, um mehr Geld zu verdienen. Manche schaffen das wirklich – allerdings nur etwa ein Viertel. Der mittlere Solo-Selbstständige dagegen bleibt mit einem Monatseinkommen von 1.510 € netto deutlich hinter einem vergleichbaren Arbeitnehmer (1.780 €) zurück. Und jeder dritte verdient so wenig, dass er als Arbeitnehmer zum Niedriglohnsektor gezählt würde.

Zugleich halten sich die traditionellen Einkommensgefälle hier hartnäckig: Unter den Solo-Selbstständigen verdienen Frauen 17 Prozent weniger als Männer, mit Teilzeit verdient man pro Stunde 20 Prozent weniger als mit Vollzeitarbeit, und der mit 34 Prozent größte Einkommensunterschied besteht zwischen Ost- und Westdeutschland. Dieser Verdienst reichte im Jahre 2009 nur für 88 Prozent der Solo-Selbstständigen "überwiegend" zum Leben aus; der Rest war auf weitere Geldquellen angewiesen. Und von diesen Einkünften noch Geld anzusparen, dazu waren 45 Prozent überhaupt nicht in der Lage.

Daraus ziehen freilich die wenigsten den Schluss, sich einen anderen Job zu suchen: Von den im Lauf der Studie befragten Solo-Selbstständigen waren nach fünf Jahren immer noch mehr als die Hälfte alleine selbstständig tätig, knapp 20 Prozent waren abhängig beschäftigt, drei Prozent arbeitslos, und knapp zehn Prozent beschäftigten inzwischen eigene Mitarbeiter.

Auffällig ist, dass zugleich die Zahl der Selbstständigen mit Beschäftigten nahezu stagnierte – sie nahm von 2000 bis 2011 lediglich um fünf Prozent zu. Insgesamt waren im Jahre 2011 11,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland selbstständig tätig, davon mehr als sie Hälfte (57,1%) als Solo-Selbstständige. Damit liegt Deutschland allerdings immer noch weit unter dem EU-Durchschnitt, wo 16,6 Prozent der Erwerbstätigen selbstständig tätig sind, davon 71,1 Prozent ohne eigene Beschäftigte. Am höchsten ist der Anteil der Selbstständigen in Griechenland (36,5%), Rumänien (32,7%) und Italien (24,9%); der Anteil der Solo-Selbstständigen an ihnen ist überdurchschnittlich hoch in Rumänien (94,2%), Großbritannien (81,8%) und Tschechien (79,5%).

Als Besonderheit hat Deutschland den höchsten Anteil in der EU von Solo-Selbstständigen mit akademischer Ausbildung (44%, EU: 27%). Überhaupt keine Ausbildung haben hierzulande lediglich sieben Prozent der Solo-Selbstständigen (EU: 27%). Der Frauenanteil ist kontinuierlich auf derzeit 37 Prozent gestiegen, während er bei den Selbstständigen mit Beschäftigten nur bei 24 Prozent liegt.

Nach Berufen sortiert sind die meisten Selbstständigen solo tätig in künstlerischen und Lehrberufen, unter Dolmetschern, Publizisten, Psychologinnen, in pflegerischen Berufen sowie bei Kosmetikerinnen und Heilpraktikern. Besonders gering ist der Anteil bei Bäckern, Fleischern, Augenoptikern, Zahntechnikern, in Gastberufen sowie unter Ärztinnen und Apothekern.

Der stärkste Zuwachs von Solo-Selbstständigen ist im Baugewerbe zu verzeichnen, seit dem Wegfall des Meisterzwangs vor allem in Ausbauhandwerken, gefolgt von Lehrerinnen und Dozenten. Dass die Zunahme an Solo-Selbstständigen nicht nur auf die Förderung durch die Arbeitsagentur zurückzuführen ist, sondern zu einem wesentlichen Teil auf die Arbeitgeber, die unablässig feste Stellen durch Werk- und Dienstverträge mit Selbstständigen ersetzen, zeigt sich auch bei den Hausmeistern: Unter ihnen hat sich die Zahl der Solo-Selbstständigen binnen elf Jahren von 11.700 im Jahre 2000 auf 34.000 im Jahre 2011 fast verdreifacht – was ja gewiss nicht daran liegen kann, dass es so viele neue Gebäude gibt, die betreut werden müssten.

(14.02.2013)

Verweise zu diesem Artikel:
DIW-Studie "Allein tätige Selbstständige"
Pressemitteilung zur Studie vom 13.2.2013

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