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Steuer-News (Archiv)

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Jetzt amtlich:
Bei Zuschussverlagen kann man kein Geld verdienen 

Wer Bücher bei einem Druckkostenzuschussverlag veröffentlicht, gibt damit zu erkennen, dass er das Schreiben nicht professionell betreibt, und kann deshalb dabei entstehende Verluste nicht steuerlich geltend machen. Das ist der Kern eines Urteils des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 7. Oktober.


Dass es nicht gerade für eine professionelle und erfolgreiche Berufsausübung spricht, wenn ein Schriftsteller ein Buch bei einem Verlag veröffentlicht, dem er für diese Veröffentlichung Geld bezahlen muss, spricht sich in Autorenkreisen zum Glück zunehmend herum. Jetzt hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz diese Tatsache auch quasi amtlich in einem Urteil niedergeschrieben.

Da hatte ein Logopäde, der sich "ein zweites Standbein aufbauen" wollte, begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben und in einem Buch zu publizieren. Binnen drei Jahren gab er in diesem Zusammenhang 11.000 Euro für "Publikationskosten, Fahrtkosten, Kosten für ein Arbeitszimmer und die Geschäftsausstattung" aus; im vierten Jahr aber gab er diese Tätigkeit wieder auf, ohne auch nur einen einzigen Cent an Einnahmen erzielt zu haben. Seine Ausgaben wollte er in der Einkommensteuererklärung jedoch als Verlust von seinen Einnahmen aus seinem eigentlichen Beruf abziehen. Das lehnte das Finanzamt ab, da es hier keine Gewinnerzielungsabsicht erkennen konnte. Die Klage des Logopäden gegen diese Entscheidung wies jetzt auch das Landesfinanzgericht ab.

Dass der Kläger allein 4.841 Euro an "Publikationskosten" an den Verlag gezahlt hatte, wollte er selbst als Beweis für seine Gewinnerzielungsabsicht verstanden wissen. Das Gericht sah in dem "Druckkostenzuschuss" jedoch eher das Gegenteil, "weil die Druckkosten bereits zu Beginn der Tätigkeit einen Verlust ausgelöst hätten, der in den nachfolgenden Jahren nicht auszugleichen gewesen wäre", heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts. "Um überhaupt mit Honoraren rechnen zu können, hätte der Kläger mehr als 1000 Stück seines Werkes verkaufen müssen. Derartige Verkaufszahlen seien auch bei einem 'aktiveren' Marketing des Verlages bei einem Erstlingswerk nicht zu erreichen gewesen."

Und dann brachte das Gericht das Geschäftsmodell solcher Verlage, die sich von Autoren für das Publizieren ihrer Werke bezahlen lassen, noch einmal deutlich auf den Punkt: "Bereits durch den Internetauftritt des Verlages werde deutlich", heißt es in der Pressemitteilung, "dass dessen vorrangiger Geschäftszweck in der Gewinnung von unbekannten Autoren liege, um aus der unmittelbaren Geschäftsbeziehung mit diesen Geld zu verdienen. Dem gesamten Internetauftritt des Verlages bzw. der Verlagsgruppe sei nicht zu entnehmen, dass überhaupt ein Vertrieb der verlegten Werke ernsthaft habe erfolgen sollen."

Dass der Autor hier Geld verdienen sollte, war nach Auffassung des Gerichts also gar nicht vorgesehen, folglich konnte bei diesem auch keine Gewinnerzielungsabsicht vorgelegen haben. "Allein die Hoffnung, für den Literaturmarkt 'entdeckt' zu werden", reiche dafür aber nicht aus. Der Kläger, so das Fazit des Gerichts, habe die Autorentätigkeit nicht als Beruf, sondern "aus persönlichen Gründen und Neigungen" ausgeübt, und das sei steuerlich nun einmal ohne Belang.

Das ist alles im Grund nichts Neues, aber es ist doch erfreulich, das einmal in einem Urteil eines höheren Gerichts zu lesen – zumal einige Druckkostenzuschussverlage in der Vergangenheit gegen ähnliche Formulierungen in Zeitschriftenartikeln ja vor Gericht gezogen sind.

Das Urteil (Aktenzeichen 2 K 1409/12) ist noch nicht rechtskräftig; die schriftliche Urteilsbegründung liegt noch nicht vor.

(15.10.2013)

Verweise zu diesem Artikel:
Die Pressemitteilung des Finanzgerichts vom 7. Oktober
Der mediafon-Ratgeber zum Thema "Hobby oder Beruf?"

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