Zurück zur StartseiteNewsWer wir sindDer mediafon-RatgeberTermine & SeminareHonorare, Empfehlungen, Verträge und TarifeVolltext-SucheInterner Bereich


  Übersicht  

  Allgemein  
  Recht  
  Versicherungen  
  Steuern  
  Archiv  
            
  Newsletter  


Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Steuer-News (Archiv)

Zurück zur Übersicht

Betriebsausgaben
Selbstständige können nicht 'alles absetzen' 

Die Gebühren für ein ohne Bezug zum eigenen Beruf gebuchtes Seminar "Meditatives Tanzen" stellen keine Betriebsausgaben dar. Mit diesem Urteil vom 26. August, das jetzt bekannt wurde, hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz dem beliebten Glauben, Selbstständige könnten – im Gegensatz zu Arbeitnehmern – bei der Einkommensteuererklärung "alles absetzen", und das Finanzamt schaue da gar nicht groß hin, einmal mehr den Boden entzogen.


Schon eindrucksvoll, was man so alles versuchen kann: Da hatte ein Mann, dessen damaliger Beruf nicht bekannt ist, im Jahr 2010 an einem dreitätigen Seminar "Meditatives Tanzen" in einem Exerzitienhaus teilgenommen und wollte die Seminarkosten von 170  € nun als vorgezogene Betriebsausgaben geltend machen. Zur Begründung gab er an, er sei krankheits- und altersbedingt nicht mehr so leistungsfähig und habe daher nach einer neuen Möglichkeit der Erwerbstätigkeit gesucht. Daher habe er in einem seiner Mietshäuser einen Tanzraum eingerichtet, in dem er künftig Tanz-, Kunst- und Meditationskurse anbieten wolle. Da er aber dazu das "Meditative Tanzen" erst einmal selbst lernen müsse, habe er einen entsprechenden Kurs belegt, bei dessen Kosten es sich folglich um vorgezogene Betriebsausgaben für die angestrebte selbstständige Tätigkeit handele. Als das Finanzamt ihm in dieser Begründung nicht folgen wollte, klagte er vor dem Finanzgericht Rheinland-Pfalz.

Das nahm seinen Plan aber offenbar auch nicht so recht ernst: Es möge zwar, erläuterte es sein Urteil, der "Wunschtraum" des Klägers sein, "mit einigen Leuten diese Freizeitbeschäftigung auszuüben und vielleicht auch Kurse zu veranstalten". Wie er damit aber "jemals positive Einkünfte erzielen" wolle, habe er nicht einmal ansatzweise erläutern können. Die Klage sei damit unbegründet, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichts.

Eine schriftliche Urteilsbegründung liegt noch nicht vor. Klar wird aber schon aus der Pressemitteilung, dass Ausgaben einen Zusammenhang zu aktuellen oder wenigstens zu konkret angestrebten Einnahmen haben müssen, um als Betriebsausgaben gelten zu können.

Wer sich da nicht sicher ist, sollte jedoch keinen vorauseilenden Gehorsam walten lassen, sondern es ruhig trotzdem versuchen: Zu überprüfen, ob Betriebsausgaben wirklich welche sind, ist schließlich Aufgabe der Finanzämter. Wer da mit seiner Einschätzung falsch liegt, muss schlimmstenfalls damit rechnen, dass ihm die Ausgaben aus seiner Steuererklärung herausgestrichen werden. Weitere Sanktionen drohen nicht, und wer nicht gleich Klage vor dem Finanzgericht erhebt, geht damit auch kein Kosten- oder sonstiges Risiko ein.

Das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 26.8.2013 (Aktenzeichen 1 K 2278/12) ist inzwischen rechtskräftig.

(12.12.2013)

Verweise zu diesem Artikel:
Die Pressemitteilung des Gerichts vom 4. Dezember
Der mediafon-Ratgeber zur Definition von Betriebsausgaben

Auf Sozialen Netzwerken posten:
Zum Seitenanfang

Meldung versenden   |    Druckversion dieser Seite   |   Impressum