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Steuer-News (Archiv)

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Häusliches Arbeitszimmer
Dürfen Gäste jetzt doch im Arbeitszimmer übernachten? 

Ein weiterer eherner Grundsatz des Einkommensteuerrechts gerät ins Wanken: In der Frage, ob ein häusliches Arbeitszimmer auch privat genutzt werden darf – und seine Kosten trotzdem anteilig als beruflich bedingte Ausgaben geltend gemacht werden dürfen, möchte der IX. Senat des Bundesfinanzhofes (BFH) von der bisherigen BFH-Rechtsprechung abweichen und hat deshalb den "Großen Senat" um eine Entscheidung gebeten.


Es war jahrelang ein eherner Grundsatz des Steuerrechts: Kosten, die nur zum Teil beruflich, zum Teil aber auch privat "veranlasst" sind, dürfen gar nicht als Betriebsausgaben – bzw. bei Angestellten als Werbungskosten – angesetzt werden. Die Kosten für eine Dienstreise, an die ein paar Tage Urlaub angehängt wurden, wurden danach in vollem Umfang zur Privatsache, und auch die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer wurden nicht als berufliche Kosten anerkannt, sobald in diesem Arbeitszimmer auch ein Gästebett oder ein Schrank mit Kinderspielzeug stand. Auch eine anteilige Anrechnung lehnten die Finanzämter strikt ab.

Hier tut sich nun seit einiger Zeit etwas. Zunächst wurden bei gemischt genutzten Pkws, Telefonen und PCs die beruflich veranlassten Kostenanteile als Betriebsausgaben anerkannt, dann erlaubte es der Bundesfinanzhof, auch von den Kosten für eine kombinierte Dienst- und Urlaubsreise den beruflich veranlassten Anteil als Betriebsausgaben anzusetzen, sofern sich dieser "nach objektiven Maßstäben von dem privat veranlassten Teil abgrenzen" lässt. Und unter Berufung auf diesen neuen Grundsatz möchte der IX. Senat des BFH nun auch das Abzugsverbot für privat mitgenutzte häusliche Arbeitszimmer kippen.

Im konkreten Fall geht es um einen Hausbesitzer, der in seinem häuslichen Arbeitszimmer seine Immobilien verwaltet, dort aber auch private Unterlagen aufbewahrt und privat am Computer sitzt – weshalb das Finanzamt es ablehnte, die Kosten für das Arbeitszimmer auch nur anteilig als Werbungskosten von seinen Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung abzuziehen. Das Finanzgericht gestand ihm dagegen zu, dass entsprechend dem angegebenen beruflichen Nutzungsanteil 60 Prozent der Raumkosten Werbungskosten seien. Und der IX. Senat des BFH möchte offenbar genauso entscheiden.

Da es in dieser Frage aber bereits eine "ständige Rechtsprechung" des BFH gibt, darf ein einzelner Senat davon nicht einfach abweichen, sondern muss sich die Abweichung zunächst von "Großen Senat" des BFH absegnen lassen, der nur für solche Streitfragen zusammentritt und dessen Entscheidung dann für den anfragenden Senat bindend ist.

Dass der Große Senat einem (zeit-)anteiligen Betriebskostenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer zulassen wird, das – zeitlich begrenzt – auch als Gästezimmer genutzt wird, ist damit schon fast zu erwarten. Spannend aber dürfte die rechtliche Abgrenzung werden. Denn dass der Große Senat auch die (flächen-)anteiligen Kosten für eine "Arbeitsecke" im Wohnzimmer zum Betriebsausgabenabzug zulässt, ist kaum vorstellbar.

(06.02.2014)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung des BFH vom 4.2.2014
Der mediafon-Ratgeber zur Definition von Betriebsausgaben
Der mediafon-Ratgeber zum häuslichen Arbeitszimmer

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