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Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Steuer-News (Archiv)

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Internet
Steuerpflicht mindert Crowdfunding-Erlöse 

Selbstständige, die eigene Projekte via Crowdfunding finanzieren, müssen die entsprechenden Einnahmen nicht nur bei der Einkommensteuer als Betriebseinnahmen deklarieren, sondern aus ihnen auch die Umsatzsteuer herausrechnen und an das Finanzamt abführen. Geldgeber hingegen haben kaum eine Chance, ihre Zahlungen steuermindernd geltend zu machen.


Gerade in kreativen Berufen ist Crowdfunding in den letzten Jahren zunehmend zu einem Standardweg geworden, eigene Projekte ohne einen großen Auftraggeber zu finanzieren: Man stellt sein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform im Internet (wie startnext.de oder kickstarter.com) vor, gibt ein Finanzierungsziel an, und sobald Zahlungszusagen in dieser Höhe vorliegen, bekommt man das zugesagte Geld und startet die Realisierung des Projektes.

Man bekommt das zugesagte Geld? Leider nicht alles. Denn an das Thema Steuern denken beim Crowdfunding die Wenigsten. Tatsächlich aber handelt es sich beim Crowdfunding in der Regel um einen "Leistungsaustausch" – nämlich eine Zahlung gegen das Versprechen, ein bestimmtes Projekt zu realisieren. Und solange dieser Leistungsaustausch im Rahmen der eigenen beruflichen Tätigkeit stattfindet, sind die entsprechenden Zahlungen steuerpflichtig. Selbstständige, für die das Crowdfunding nur eine von mehreren Geldquellen ist, verbuchen das Geld, das sie von der Crowdfunding-Plattform bekommen, als ganz normale Betriebseinnahme, die in ihre Einkommensteuererklärung eingeht.

Da es das Ziel der meisten Crowdfunding-Projekte ist, sich anders nicht finanzierbare Projekte bezahlen zu lassen, wird hier von einem Selbstständigen, also einem Unternehmer, eine Leistung gegen Entgelt erbracht. Ist diese Bedingung des § 1 des Umsatzsteuergesetzes erfüllt, sind die Zahlungen der Crowd auch umsatzsteuerpflichtig.

Zwar fehlt es in entsprechenden Internetforen nicht an Versuchen, diese Steuerpflicht wegzudiskutieren, etwa indem die Zahlung zur Schenkung umdefiniert oder das ganze Projekt als "rein privat" deklariert wird. Da diese Positionen aber sehr wacklig sind (eine Schenkung z.B. ist nur steuerfrei, wenn sie "zweckfrei" erfolgt!) und es hierzu bisher weder repräsentative Erfahrungen noch Grundsatzurteile noch verbindliche Äußerungen der Finanzverwaltung gibt, empfiehlt mediafon zumindest dann, wenn das Projekt zur eigenen beruflichen Tätigkeit gehört, hier nicht auf Steuerfreiheit zu spekulieren. Wer das dennoch tun will, sollte an eine spätere Betriebsprüfung denken und für eine eventuelle Nachzahlung von Steuern zumindest so lange Geld zurückzulegen, bis es rechtskräftige Urteile bzw. belastbare Verwaltungsanweisungen zu dieser Frage gibt.

Ob von den Crowdfunding-Zahlungen sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer abgehen, hängt vom Projekt ab. In aller Regel werden es 19 Prozent sein, auch z.B. für Buchprojekte, da die Geldgeber hier in der Regel ja kein Nutzungsrecht am Manuskript erwerben, das den ermäßigten Steuersatz rechtfertigen würde. Allein freie Journalistinnen können sich eventuell auf die Sonderregel des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses berufen, nach der sie "aus Vereinfachungsgründen" alle journalistischen Leistungen mit sieben Prozent abrechnen dürfen.

Zusätzlich zur Steuerbelastung sollte, wer ein Crowdfunding-Projekt starten möchte, berücksichtigen, dass einige Crowdfunding-Plattformen von dem eingesammelten Geld Provisionen einbehalten. Während die deutsche Kreativ-Projekte-Plattform www.startnext.de allein auf freiwillige Zahlungen nach erfolgreichem Projektabschluss setzt, behält z.B. die US-Plattform www.kickstarter.com bei der Auszahlung fixe fünf Prozent vom eingesammelten Geld als Provision plus drei bis fünf Prozent für Finanztransaktionskosten ein.

Damit wären von 1.000 eingesammelten Euro noch rund 910 Euro übrig, die an den Empfänger ausgezahlt werden. Rechnet der hieraus 19 Prozent Mehrwertsteuer heraus, blieben ihm von den 1.000 Euro netto nur noch 764,71 € übrig, die er für sein Projekt verwenden könnte. Das sollte wissen, wer ein Finanzierungsziel festlegt.

(28.07.2014)

Verweise zu diesem Artikel:
Übersicht über die verschiedenen Positionen zur Steuerpflicht beim Crowdfunding
Der mediafon-Ratgeber zum vollen und ermäßigten Mehrwertsteuersatz
Text aus dem alten "Ratgeber Freie" zur steuerlichen Behandlung von Spenden und Sponsoring

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