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Steuer-News (Archiv)

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"Selbstständige können alles absetzen"?!
Ein Ferrari als "Dienstwagen" ist gewissenlos 
Ein "ordentlicher und gewissenhafter" Unternehmer schafft sich keinen Ferrari als Zweit-Dienstwagen an.
Mit dieser Überzeugung hat der Bundesfinanzhof in einem Urteil vom 29. April, das jetzt veröffentlicht wurde, einem Tierarzt die abziehbaren Kosten für Dienstfahrten mit seinem Pkw auf zwei Euro pro Kilometer beschnitten.


Es sind vor allem zwei Themen, die immer wieder die Phantasie von Steuerpflichtigen anregen, weil sich damit so wunderbar fiktive Betriebskosten generieren lassen, und mit denen sich deshalb der Bundesfinanzhof immer wieder aufs Neue befassen muss: Der Dienstwagen und das häusliche Arbeitszimmer.

Im vorliegenden Fall ging es um einen freiberuflichen Tierarzt, der für seine Praxis zwei Dienstwagen angeschafft hatte – einen VW-Multivan, mit dem er zu seinen Hausbesuchen fuhr (und dessen Privatnutzung er nach der Ein-Prozent-Regel abrechnete), und einen (geleasten) Ferrari Spider mit 400 PS, den offenbar fast gar nicht benutzte: Im ersten Jahr hatte er damit laut Fahrtenbuch ganze 550 Kilometer zurückgelegt, wofür ihm Gesamtkosten von 28.290,32 € entstanden. Dabei handelte es sich mit einer Ausnahme – als er zu einer Kollegin fuhr, die ein Narkosegerät besaß – um Fahrten zur Überführung des Fahrzeugs, zum Tanken und zum Reifenwechsel. Die Kosten setzte er vollständig als Betriebsausgabe an – was immerhin 51,44 € pro Kilometer entsprach.

Im zweiten Jahr fuhr er dann 3.794 Kilometer, wovon 3.456 Kilometer auf neun Fahrten zu weit entfernten Fortbildungen entfielen. Kosten dafür: 35.977,15 €. Davon zog er entsprechend seinen Eintragungen im Fahrtenbuch einen geringfügigen Anteil für private Nutzung ab und verbuchte den Rest als Betriebsausgaben.

Im dritten Jahr sah es ähnlich aus, aber da spielte das Finanzamt nicht mehr mit. Es sah den Ferrari nicht als "Dienstwagen" und die exorbitanten Kosten nicht als "betrieblich veranlasst" an und erkannte lediglich einen Euro pro Kilometer als Betriebsausagaben an – was für das erste Jahr lediglich 104 statt der vom Tierarzt angesetzten 28.290 € waren. Was schon einigermaßen kulant war, denn die Kilometerpauschale, die die Finanzämter ohne detaillierten Kostennachweis akzeptieren, beträgt normalerweise ganze 30 Cent pro gefahrenen Kilometer.

Dennoch ließ das dagegen angerufene Finanzgericht mit sich handeln und akzeptierte am Ende 2 € pro gefahrenen Kilometer als Betriebsausgaben, denn die würden in Internetforen als durchschnittliche Kosten für einen Mercedes SL 600 – den teuersten Oberklassewagen, der dort auftauchte – genannt. Aber der Tierarzt ging aufs Ganze und legte Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) ein. Der stellte zunächst einmal fest, dass das geleaste Fahrzeug tatsächlich als Betriebsvermögen (also als Dienstwagen) zu behandeln sei. Da aber Aufwendungen, die "die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen berühren", nach § 4 Abs. 5 EStG nicht als Betriebsausgaben abziehbar sind, "soweit sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung als unangemessen anzusehen sind", musste sich der BFH der Frage widmen, ob es sich bei dem Ferrari für einen Tierarzt und einen "unangemessenen betrieblichen Repräsentationsaufwand" handelte. Um das beurteilen zu können, stellte er sich die Frage, "ob ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer . . . angesichts der erwarteten Vorteile und Kosten die Aufwendungen ebenfalls auf sich genommen haben würde".

Diese Frage verneinte das Gericht, womit es dem Tierarzt zumindest indirekt bescheinigte, kein ordentlicher, dafür aber ein gewissenloser Unternehmer zu sein. Dabei sei die Anschaffung eines teuren und schnellen Wagens als Dienstwagen nicht generell "unangemessen" – in diesem Fall aber schon, zumal der Ferrari innerhalb von drei Jahren lediglich an 20 Tagen für betriebliche Fahrten benutzt wurde und eine Repräsentationswirkung damit kaum entfalten konnte.

Als "noch angemessene" und damit abziehbare Betriebskosten setzte danach auch der BFH die vom Finanzgericht im Internet ermittelten 2,00 € pro Fahrtkilometer an (Urteil des Bundesfinanzhofes vom 29.4.2014, Aktenzeichen VIII R 20/12).

(07.08.2014)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zu Pkw-Fahrtkosten als Betriebsausgaben

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