Zurück zur StartseiteWer wir sind und wie wir beratenDer mediafon-RatgeberTermine & SeminareHonorare, Empfehlungen, Verträge und TarifeVolltext-SucheInterner Bereich





Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Steuer-News (Archiv)

Zurück zur Übersicht

Abschreibung
Finanzamt darf AfA-Tabellen-Werte nicht überschreiten 

Die in den amtlichen AfA-Tabellen vorgegebenen Nutzungsdauern für Anlagegüter sind für die Finanzämter bindende
Höchstwerte. Abweichungen nach unten sind dagegen erlaubt, wenn es gelingt, eine kürzere Nutzungsdauer plausibel zu machen. Mit diesem Urteil vom 9. Juli, das jetzt veröffentlicht wurde, hat das Niedersächsische Finanzgericht den Finanzämter in einer häufig auftretenden Streitfrage enge Fesseln angelegt.


Da hatte ein Landwirt eine Kartoffelhalle in Leichtbauweise errichtet, und für die entsprechende Abschreibung in seinen Steuererklärungen eine voraussichtliche Nutzungsdauer von 17 Jahren angesetzt, wie sie in der maßgeblichen AfA-Tabelle für "Landwirtschaft und Tierzucht" stand. Das ermöglichte ihm, pro Jahr 6 Prozent der Investitionssumme als AfA anzusetzen. Das Finanzamt aber meinte, diese Halle, die nicht wirklich eine Leichtbauhalle sei, halte länger, und zog zu einer Betriebsprüfung einen Bausachverständigen hinzu, der die tatsächliche Gesamtnutzungsdauer auf 40 – 60 Jahre schätzte. Der Betriebsprüfer setzte daraufhin die AfA-Rate "großzügig" mit vorläufig 4 Prozent pro Jahr an und drohte, diese noch auf drei Prozent herunterzusetzen, falls der Landwirt die von ihm angesetzte Nutzungsdauer von 17 Jahren nicht mit einem eigenen Gutachten belege.

Stattdessen legte der Landwirt eine Bestätigung der Lieferfirma vor, dass die Halle tatsächlich in Leichtbauweise errichtet sei. Das Finanzamt setzte daraufhin die AfA-Rate auf drei Prozent herunter, was einer Nutzungsdauer von 33 Jahren entspricht, und verwies auf einen Satz in der Vorbemerkung zur amtlichen AfA-Tabelle, nach dem die Werte der Tabelle lediglich als "Anhaltspunkt für die Beurteilung der Angemessenheit der steuerlichen AfA" dienten. Damit freilich kam es beim Finanzgericht Niedersachsen nicht durch.

Das stellte zunächst fest, dass es sich hier tatsächlich um eine Halle "in Leichtbauweise" im Sinne der amtlichen Definition handele. Damit aber dürfe das Finanzamt die dafür festgelegte übliche Nutzungsdauer nicht überschreiten. Bei den Werten der AfA-Tabelle handele es sich schließlich "um grobe Schätzungen (. ,. .), die auch der Verwaltungsvereinfachung dienen und für eine gleichmäßige Anwendung sorgen sollen". Diesem Zweck aber "würde es zuwider laufen, wenn die Finanzverwaltung bei jeder Abweichung eine eigene Schätzung der Nutzungsdauer vornehmen könnte". "Schätzungsungenauigkeiten" seien dabei "hinzunehmen" – schließlich würde auch sowohl für einen Kleinwagen als auch für einen Pkw der Luxusklasse einheitlich eine Nutzungsdauer von sechs Jahren angenommen.

Und dann definierte das Finanzgericht noch einmal, was diese AfA-Tabellen eigentlich sind: Für das Finanzamt haben sie laut Urteilsbegründung "den Charakter einer Dienstanweisung". Für den Steuerpflichtigen dagegen "handelt es sich um das Angebot der Verwaltung für eine tatsächliche Verständigung im Rahmen einer Schätzung, das er (z.B. durch die Anwendung der Tabellen bei der Berechnung seiner Einkünfte) annehmen kann, aber nicht muss".

Das Finanzamt wurde somit verurteilt, neue Steuerbescheide auszustellen und dabei eine AfA-Rate von sechs Prozent anzusetzen. Das Urteil (Finanzgericht Niedersachsen vom 9.7.2014, Aktenzeichen 9 K 98/14) wurde für sofort vollstreckbar erklärt, ist aber noch nicht rechtskräftig.

(21.10.2014)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil im Volltext
Pressemitteilung des Finanzgerichts dazu
Die AfA-Tabellen beim Bundesfinanzministerium
Der mediafon-Ratgeber zur Abschreibung für Abnutzung (AfA)

Auf Sozialen Netzwerken posten:
Zum Seitenanfang

Meldung versenden   |    Druckversion dieser Seite   |   Impressum