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Allgemeine News (Archiv)

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Wissenschaft
"Selbstständige verdienen manchmal gut. Oder schlecht" 

"Mit der Selbstständigkeit sind sowohl Chancen auf ein relativ hohes Einkommen verbunden, aber auch das Risiko, wenig erfolgreich zu sein." Um zu dieser umwerfenden Erkenntnis zu kommen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eigens eine wissenschaftliche Studie erstellt, die am 11. Februar im DIW-Wochenbericht veröffentlicht wurde.


Alexander Kritikos, Forschungsdirektor am DIW Berlin, möchte gern das "weit verbreitete Vorurteil" ausräumen, "viele Selbstständige würden ein Kümmerdasein fristen". Zu diesem ehrenwerten Zweck hat er zusammen mit Prof. Michael Fritsch und Alina Sorgner von der Universität Jena die Daten des Mikrozensus 2009 ausgewertet, um heraus zu bekommen, "für wen sich der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt", bzw.: "Verdienen Selbstständige tatsächlich weniger als Angestellte?"

Verblüffende Antwort seines Berichts, der unter diesem Titel im DIW-Wochenbericht Nr. 7.2105 veröffentlicht wurde: Manchmal ja, manchmal nein. Genauer formuliert es Fritsch: "Solo-Selbstständige können sowohl sehr niedrige als auch überproportional hohe Einkommen erwirtschaften."

Der "neue" Ansatz dieser Studie besteht darin, dass sie nicht "Selbstständige" an sich betrachtet, sondern zwischen solchen mit Angestellten und Solo-Selbstständigen unterscheidet – was ja vernünftig ist. Aber das Ergebnis, dass die Einkommen von Solo-Selbstständigen deutlich weiter gespreizt sind als die von Selbstständigen mit Angestellten, geht leider über die allgemeine Lebenserfahrung nicht hinaus. Immerhin möchte die Studie dieses Ergebnis mithilfe weiterer Kriterien differenzieren – und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass "Soloselbstständige, die Abitur haben, aber über keinen weiteren Ausbildungsabschluss verfügen, in der Regel ein höheres Einkommen als vergleichbare abhängig Beschäftigte (realisieren). Für Solo-Selbstständige mit Berufs- oder Hochschulabschluss fallen die Einkommen hingegen signifikant niedriger aus als für abhängig Beschäftigte." Was ja durchaus interessant ist. Über den Grund können die Autorinnen aber auch nur rätseln, zumal die von ihnen ausgewerteten Zahlen dazu nichts hergeben: "Offensichtlich (?!) spielt die weitergehende formale Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt unabhängig vom Schulabschluss eine erhebliche Rolle bei der Entlohnung, so dass Abiturienten ohne weitere Berufsausbildung in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis schlechter gestellt sind."

Ein paar Zahlen gibt es immerhin auch: "Der Median- (Anm.: mittlere) -Selbstständige mit weiteren Beschäftigten verdient pro Stunde 22 Prozent mehr als ein abhängig Beschäftigter. Der Median-Solo-Selbstständige verdient hingegen sechs Prozent weniger." Zwar könnte man, so heißt es im Bericht, auch den Einfluss weiterer Faktoren wie Alter, Ausbildungsstand oder Geschlecht auf das Einkommen messen – allein, die Studie tut es nicht und begnügt sich mit dem Abschlusssatz: "Deterministische Aussagen darüber, für wen sich der Sprung in die Selbstständigkeit finanziell lohnt, lassen sich daraus (. . .) nicht ableiten." Fertig.

Ob die Einkommensunterschiede vielleicht berufsspezifisch sein könnten, wie es mediafon in der Beratung täglich erfährt, fragt die Studien erst gar nicht – dazu hätte man ja eigene Zahlen erheben müssen! Immerhin kann Kritikos als Fazit die fulminante Erkenntnis formulieren: "Auch Solo-Selbstständige stellen sich finanziell nicht selten besser als Angestellte, insbesondere wenn sie sich am oberen Ende der Einkommensverteilung befinden." Was etwa so aussagekräftig ist wie die Feststellung, dass Pferde nicht selten weiß sind, insbesondere wenn es sich um Schimmel handelt.

(Update: In der ersten Version dieser Meldung war das Zitat von Prof. Fritsch im 2. Absatz einem Freud'schen Tippfehler zum Opfer gefallen und so wiedergegeben worden: "Solo-Selbstständige können sowohl sehr niedrige als auch überproportional niedrige Einkommen erwirtschaften." Das haben wir korrigiert - Entschuldigung!)

(14.02.2015)

Verweise zu diesem Artikel:
Pressemitteilung des DIW Berlin zur Studie

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