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Steuer-News (Archiv)

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Bundesfinanzhof
Sieben Prozent Mehrwertsteuer für Lesungen sind möglich 
Vom Honorar für Autorenlesungen müssen keineswegs immer 19 Prozent Mehrwertsteuer abgeführt werden. Geht eine Lesung über das "reine Vorlesen aus einem Buch" hinaus und weist "theaterähnliche Merkmale" auf, so gilt nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent. Mit diesem Urteil, das jetzt veröffentlicht wurde, hat der Bundesfinanzhof bereits am 25. Februar der ärgerlichen Praxis zahlreicher Finanzämter einen Riegel vorgeschoben.

Für Autorinnen und Autoren ist es ein uraltes Ärgernis: Während all ihre Publikationshonorare ohne nennenswerte Ausnahme dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent unterliegen, bestanden sie Finanzämter stets darauf, dass sie aus ihren Lesungshonoraren jeweils den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent herausrechneten und an das Finanzamt abführten. Zahlte ein Veranstalter brutto 300 €, so blieben davon nach Abzug der Mehrwertsteuer netto nur noch 252,10 € übrig.

Dass einzelne (Landes-)Finanzgerichte wie das FG Hamburg und das FG Köln längst Ausnahmen von dieser scheinbar ehernen Regel zugelassen hatten, interessierte die Finanzämter wenig: Sie wollten weiter ihre 19 Prozent haben. Damit sollte jetzt Schluss sein, denn der Bundesfinanzhof (BFH) hat am 25. Februar abschließend entschieden: Für Autorinnenlesungen kann durchaus auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz in Frage kommen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Autorin sich mit ihrer Lesung ein bisschen Mühe gegeben und nicht einfach vorgelesen, sondern versucht hat, "mit Hilfe der Stimme, Sprache, Körperhaltung und Bewegung Emotionen und Gedanken zum Zuhörer" zu transportieren, und dass sie ihm den "Stoff in einer Form und auf einer Ebene näher gebracht (hat), die eine Auseinandersetzung mit ihm erlaubt, zum Nachdenken anregt und unterhält". Dann nämlich, so der BFH, handele es sich um eine "theaterähnliche" Veranstaltung, für die der ermäßigte Steuersatz gilt.

Und genau das sah der BFH im vorliegenden Fall als gegeben an, in dem eine Autorin aus einem autobiographischen Werk nicht nur vorgelesen hatte: Sie hatte die beschriebenen Personen regelrecht vorgespielt und das eigentliche Lesen immer wieder für Erläuterungen und improvisierte Erzählungen unterbrochen, "die teilweise auch kabarettistische Züge" hatten. Zwar wies der BFH die Auffassung des Finanzgerichts Köln zurück, dass Autorenlesungen generell der Kleinkunst zuzurechnen seien und damit immer dem ermäßigten Steuersatz unterlägen, aber im konkreten Fall sah er die Voraussetzungen dafür als erfüllt an. Das Argument des Finanzamtes, im streitigen Fall habe die Autorin aus ihrer Autobiografie vorgetragen, also von sich selbst erzählt, womit "es an dem für eine Theatervorführung prägenden Merkmal des Rollenwechsels bzw. Rollenspiels" gefehlt habe, wischte der BFH schlicht als "nicht schlüssig" vom Tisch. Und auch das Argument, die Lesungen hätten ja der Vermarktung des Buches gedient, womit die Theatervorführung gar nicht der eigentliche Zweck der Veranstaltung gewesen sein könne, war dem BFH nicht mehr als einen einzigen schroffen Satz der Zurückweisung wert.

Also: Sieben Prozent waren in diesem konkreten Fall in Ordnung. (BFH-Urteil vom 25.2.2015, Aktenzeichen XI R 35/12). Der besondere Charme dieses Urteils liegt darin, dass es alle die Autorinnen belohnt, die ihre Lesungen nicht einfach als Routineleistungen herunterspulen: Wer sich mit ihrer Lesung Mühe gibt, steht auch steuerlich am besten da!

(13.06.2015)

Verweise zu diesem Artikel:
Das Urteil des BFH im Volltext
Der mediafon-Ratgeber zum vollen und ermäßigten Steuersatz

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