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Allgemeine News (Archiv)

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'Gründerklima'
Die Selbstständigen werden immer weniger 

Mit der "Kultur der Selbstständigkeit", die bisher noch jede Bundesregierung in Deutschland zu fördern versprochen hatte, ist es vorbei: Die Zahl der Selbstständigen in Deutschland geht seit 2012 zurück; die Zahl der geförderten Existenzgründungen ist sogar auf den niedrigsten Stand in diesem Jahrtausend gefallen. Das geht aus der Studie "Selbstständige Beschäftigung geht zurück" hervor, die das DIW Berlin in seinem Wochenbericht 36/2015 veröffentlichte.


Als in den neunziger Jahren die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland nach oben schnellte, glaubten manche in der Politik schon, eine "neue unternehmerische Kultur" und einen Trend zu sehen, der den Arbeitsmarkt grundlegend verändern würde. Bis zum Jahre 2007 stieg die Zahl der Selbstständigen denn auch auf nie dagewesene 4,5 Millionen an, verharrte fünf Jahre etwa auf diesem Niveau – und sackte dann bis 2014 um 140.000 ab. Der "Trend zur Selbstständigkeit ist gebrochen", schreibt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in seiner Studie "Selbstständige Beschäftigung geht zurück", und seine Analyse lässt wenig Raum für Hoffnung, dass das demnächst wieder anders wird. So wie nämlich die Zunahme der Zahl der Selbstständigen in den 1990er und 2000er Jahren vor allem eine Zunahme der Zahl der Solo-Selbstständigen war, geht auch der Rückgang vor allem auf ihr Konto: Während von 2011 bis 2014 die Zahl der Selbstständigen mit eigenen Beschäftigten nur um knapp 22.000 abnahm, ging die Zahl der Soloselbstständigen um 118.500 zurück.

Autor Brenke führt dies – neben den Einschnitten beim Gründungszuschuss und "generellen Veränderungen beim Erwerbsverhalten" darauf zurück, "dass die Selbstständigkeit – auch wegen der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt – als Beschäftigungsalternative und Möglichkeit zur Einkommenserzielung . . . an Attraktivität verloren hat". Tatsächlich haben offenbar vor allem Leute mit sehr niedrigem Einkommen ihre Selbstständigkeit aufgegeben – jedenfalls ging seit 2011 die Zahl der Soloselbstständigen, die weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 € verdienen, überproportional zurück, während der Anteil derer anstieg, die auf 25 € und mehr in der Stunde kommen.

Nicht wegzudiskutieren ist jedoch der Anteil der staatlichen Förderpolitik: Nachdem die Zahl derer, die für die Aufnahme der Selbstständigkeit den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur bekamen, von rund 40.000 im Jahre 2000 auf etwa 320.000 im Jahre 2005 förmlich explodiert war, pendelte sich ihre Zahl um 2010 auf rund 150.000 ein. Ende 2011 jedoch trat das "Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt" in Kraft, dessen erklärtes Ziel es unter anderem war, die Gründungsförderung zu reduzieren, da, wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen damals behauptete, 60 bis 75 Prozent der Geförderten den Gründungszuschuss lediglich dankbar mitnähmen, aber auch ohne Förderung gegründet hätten. Diese Unterstellung wurde dann eindrucksvoll widerlegt: Nachdem der Gründungszuschuss, bis dahin eine Pflichtleistung der Arbeitsagentur, zu einer Kann-Leistung gemacht, die Förderdauer gekürzt und die Fördermittel insgesamt um vier Milliarden Euro gekürzt worden waren, stürzte die Zahl der Gründungszuschussbezieher bis zum Jahre 2013 auf noch ganze 25.000 ab, und auch die Gesamtzahl der Selbstständigen ging erstmals seit Jahren wieder deutlich zurück.

Dass sich hier ein Kulturwandel vollzieht, zeigt auch die Aufschlüsselung der Entwicklung nach Altersgruppen: Ausgerechnet in der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren, in der traditionell die meisten Existenzgründer vermutet werden, ging der Anteil der Selbstständigen am stärksten zurück. Nur in den Altersgruppen über 55 Jahren ist noch eine – sogar starke – Zunahme der Selbstständigenquote zu beobachten: Selbstständigkeit ist offenbar ein Auslaufmodell. Wobei Autor Brenke freilich nicht ausschließen will, "dass infolge der Einführung des allgemeinen Mindestlohns Unternehmen versuchen werden, bisherige abhängige in selbstständige Beschäftigung umzuwandeln, um die Mindestlohnregulierung zu umgehen". Dafür habe er in den bisherigen Zahlen zwar "keine Hinweise" gefunden – das Prinzip aber wäre nicht neu: Aus Zeitungsverlagen, Logistikunternehmen und Schlachthöfen ist es seit vielen Jahren bekannt.

(23.09.2015)

Verweise zu diesem Artikel:
Die DIW-Studie "Selbstständige Beschäftigung geht zurück" zum Download

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