Zurück zur StartseiteNewsWer wir sindDer mediafon-RatgeberTermine & SeminareHonorare, Empfehlungen, Verträge und TarifeVolltext-SucheInterner Bereich


  Übersicht  

  Allgemein  
  Recht  
  Versicherungen  
  Steuern  
  Archiv  
            
  Newsletter  


Unsere Fundgrube
zu wissenswerten, aber nicht mehr brandaktuellen Meldungen.

Informationen, die längere Zeit gültig bleiben, finden sich übrigens an anderer Stelle: Sie werden kontinuierlich in unseren Ratgeber mediafon eingepflegt.

Allgemeine News (Archiv)

Zurück zur Übersicht

Online-Handel
'Der reine E-Commerce wird untergehen' 

Reiner E-Commerce ist kein Geschäftsmodell mit Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Entwicklung des E-Commerce in Deutschland, die das Portal ibusiness.de für die letzten Jahre vorgenommen hat. Danach machen schon heute selbst die großen Online-Händler im Schnitt Verluste statt Gewinn, und im stationären Handel liegt die Durchschnittsrendite fünfmal so hoch wie im reinen Online-Handel.


Die deprimierendesten Zahlen zuerst: Rund 550.000 Online-Shops gibt es heute in Deutschland; sie erwirtschafteten zuletzt im Durchschnitt einen Gewinn von 1.288 Euro. Im Jahr.

Dabei beschönigt diese Zahl die tatsächliche Situation noch. Denn das Geschäft machen hier nur wenige große; die meisten dieser Shops sind Kümmer-Existenzen, die jedes Jahr drauf zahlen, um die Illusion aufrecht erhalten zu können, selbstständig zu sein. "Online-Prekariat" nennt sie ibusiness.

Alle hier genannten Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, das sagt auch Joachim Graf, der Autor der ibusiness-Analyse. Denn umfassende Statistiken gibt es für den E-Commerce nicht. Graf hat sich daher die Mühe gemacht, Zahlen aus verschiedenen zuverlässig erscheinenden Quellen zusammenzutragen und in Beziehung zueinander zu setzen. Das Ergebnis hat er in der "Studie Shop-Gewinne in Deutschland: Das eCommerce-Prekariat im Longlong-Tail" zusammengefasst, die auf der ibusiness-Website zu lesen ist (Basis-Registrierung kostenlos). Darin gibt sich Graf nicht mit reinen Durchschnittszahlen zufrieden. Die wären auch wenig aussagekräftig, denn von den 47 Milliarden Euro, auf die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BVEH) den Gesamtumsatz des deutschen Onlinehandels im Jahre 2015 hoch rechnet, entfallen allein 6,6 Milliarden auf den einen, den alles beherrschenden größten Online-Händler. Die nächstgrößten neun kommen im Schnitt noch auf rund 650 Millionen Euro Jahresumsatz, die dann folgenden neunzig auf je gut 100 Millionen Euro, die nächsten 900 immerhin noch auf 12,3 Millionen. Für den Rest, das "Online-Prekariat", also alle Online-Shops ohne die 1.000 größten, bleiben noch ganze 14 Milliarden Euro Umsatz – im Durchschnitt 26.000 Euro pro Shop und Jahr.

Um Aussagen zur Rendite im Online-Handel machen können, hat ibusiness in einer anderen Studie die Geschäftszahlen der größten zehn Online-Händler sowie weiterer großer, die ihre Geschäftszahlen öffentlich zugänglich machen, ausgewertet. Ergebnis (das ausdrücklich nicht repräsentativ ist): Die Durchschnittsrendite dieser Händler, die im Jahre 2010 noch bei 2,8 Prozent lag, sank über 0,8 Prozent im Jahre 2011 und minus 0,04 Prozent in 2012 auf minus 0,5 Prozent im Jahre 2013. Bei den großen stationären Händlern blieb die Rendite – allem Gerde vom Online-Handel, der den stationären Handel kaputt macht, zum Trotz – in diesen Jahren dagegen im Plus und schwankte jeweils um die zwei Prozent. Im Durchschnitt sieht ibusiness die Rendite im stationären Handel heute fünfmal so hoch wie in Online-Handel.

Zu den Glücklichen, die im Online-Handel überhaupt noch einen Gewinn machen, gehören laut ibusiness die Elektronik-Händler, einige Nischen-Händler (z.B. für Autoreifen) sowie solche, die auf "Cross-Channel" setzen, d.h. sowohl online als auch über stationäre Läden verkaufen.

Auf Umsatzsteigerungen zu setzen verspricht da wenig Erfolg, zumal das beeindruckende (aber zuletzt stagnierende) Umsatzplus des Online-Handels in den letzten Jahren fast ausschließlich Amazon zugute kam. Graf prognostiziert denn auch, dass sich in den kommenden Jahren immer mehr Online-Händler ein kaum noch wachsendes Umsatzvolumen teilen müssen. Und da die größten Tausend heute schon 70 Prozent des Umsatzes für sich beanspruchen, bleibt für die übrigen nach heutigen Zahlen noch ein durchschnittlicher Umsatz von gerade 26.000 Euro im Jahre. Für die "professionellen" der kleineren E-Shops schätzt Graf den durchschnittlichen Jahresumsatz auf 86.000 Euro. Aber selbst angenommen, sie könnten die Rendite des stationären Handels von zwei Prozent erreichen, bedeutete das einen durchschnittlichen Jahresgewinn von 1.725 Euro.

Grafs Prognose: So wie in letzten Jahre schon jeder vierte eBay-Powerseller, so wird der größte Teil der heute existierenden Online-Shops in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden "oder als Shopleichen durchs Internet dümpeln". Chancen gibt er denen, die "besonders aktiv" sind, die die letzten der immer noch vorhandenen Nischen besetzen oder selbst zu Herstellern werden, so dass der Gewinn nicht mehr allein aus den schmalen Handelsmargen gequetscht werden muss.

(24.02.2016)

Auf Sozialen Netzwerken posten:
Zum Seitenanfang

Meldung versenden   |    Druckversion dieser Seite   |   Impressum